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+++ letzte meldungen ++ urgroßenkel der konquistadoren zurück ++ letzte meldungen +++


was sich schon lange vor den wahlen zur asamblea nacional (parlament) am 6. dezember vergangenen jahres abzeichnete ist nun wirklichkeit geworden, nachdem die regierende psvu (sozialistische vereinigte partei venezuelas) ihre absolute mehrheit, schlimmer noch, mehr als 30% der mandate verloren hat, ziehen nunmehr nach 16 jahren machtabstinenz die ausgehungerten ultrarechten neoliberalen mit grosser mehrheit ins parlament ein. MUD (tisch der demokratischen einheit) nennt sich das neugeschmiedete bündnis welches nur ein ziel verfolgt, den sturz des amtierenden präsidenten maduro, samt seiner anhängerschaft aus allen öffentlichen ämtern zu vertreiben und das rad der geschichte zurüchzudrehen, auf den stand der 90er jahre, den zeiten der sogenannten 4. republik …


5.januar 2016

die konstituierende sitzung beginnt gegen mittag, der aus den reihen des MUD (opposition) vorgeschlagene parlamentspräsident soll vereidigt werden. auf sein geheiß hin werden vorab die bilder von hugo chàvez, dem demokratisch gewählten präsidenten maduro und dem nationalhelden simon bolivar von den wänden des hohen hauses abgehängt. unter anweisung des neuen hausherrn henry ramos allup: “... ich will keinen chàvez, keinen maduro hier sehen, bringt den ganzen dreck zum präsidentenpalast (miraflores) oder werft ihn gleich auf den müll ...“ ,“... dieser ort hier ist kein friedhof ...” usw. werden nicht nur die bilder unwürdig auf den müllhaufen der geschichte geworfen, auch die gefühle vieler millionen venezolaner werden damit verletzt. http://albaciudad.org/wp/index.php/2016/01/en-video-ramos-allup-ordena-retirar-cuadros

(im übrigen hatte die oposition in ihre wahlkampagne 2013 auch den namen des libertador (befreier) als “comando simon bolivar” für sich in anspruch genommen


der neue, aber noch nicht vereidigte parlamentspräsident lässt sich schon vorab von seinen neuen herrn direkt bis vor`s hohe haus chauffieren, steigt aus einer diplomatenlimusinen der USA botschaft aus und geht seinen vorgeschriebenen weg …


die anderen abgeordneten genießen diesen chuttleservice nicht, weniger noch die abgeordneten der sozialisten. sie alle müssen auf eigenen sohlen den weg ins parlament finden. dabei kommt es zu ersten ausschreitungen zwischen den neugewählten oppositoren mit der nationalgarde und der polizei. warum sollten sie auch ordnungskräfte akzeptieren und respektieren welche auf ihren symbolen namen wie BOLIVAR repräsentieren …

der parlamentsälteste abgeordnete (psvu) führt die moderation während der amtseinführung und ist etwas ungeordnet in seinen ausführungen, aber mit 75 jahren ?! jedenfalls hört man spott und stimmen das er wohl besoffen sei und schiebt den alten mann dann wie einen clochard vom präsidentenpult …


nach der vereidigung der restlichen 163 abgeordneten beginnt der schlagabtausch zwischen den beiden befeindeten gruppen, 109 gegen 54 und umgekehrt … die opposition fordert als erstes die freilassung und eine amnestie für alle aus ihrere sicht politischen gefangenen, u.a. leopoldo lopez,

link: https://amerika21.de/analyse/135125/the-making-of-leopoldo-lopez ... für die gegenseite, die betroffenen und weite teile des volkes sind es anstifter zum staatsstreich, mörder und terroristen. bei 43 toten, zahlreichen verletzten und sachschäden in millionenhöhe während der ausschreitungen im april/mai 2014 sind es wohl alles andere als zu unrecht verurteilte.


die sitzung zur vereidigung des neuen parlaments wird dann auch gleich und ohne vorankündigung seitens des MUD dafür genutzt ihre ersten gesetzesänderungen anzukündigen. daraufhin kommt es zum eklat weil dies nicht im einklang mit der geschäftsordnung des hohen hauses steht und das psvu bündnis verlässt den saal und vereint sich mit seinen anhängern auf der strasse …


6. januar

erste ausserordentliche sitzung des neuen parlaments mit einem neoliberalen bündnis mehrheitlich bestehend aus fossilen der 4. republik: auf dem plan stehen nicht etwa die dringendst anzugehenden probleme des landes und seiner ökonomie zu lösen … nein die agenda der opposition hat andere prioritäten.

- die medien sollen wieder in private hände … venezuela hat mehr als 400 comunale radiostationen welchen die lizenzen streitig gemacht werden sollen, weil sie als regierungsnah gelten …

- freilassung der von der opposition als “politisch gefangene” betitelte …


7. januar

der neue präsidentschef und seine abgeordnetenkollegen des oppositionsbündnisses arbeiten hart und lassen keinen verstoß gegen immer noch geltende gesetze aus, sie agieren gegen die konstitution, negieren entscheidungen des obersten gerichtshofs und berufen die 3 bisher nicht zugelassen oppositionsabgeordneten eigenmächtig ein um damit an die angestrebte 2/3 mehrheit zu gelangen. in einem wahlkreis kam es zu unregelmäßigkeiten worauf die 4 gewählten kandidaten komplett suspendiert wurden (3 der opposition und einer der psuv)

wieder kommt es zum eklat und schon ist absehbar worum es geht, den weg so schnell wie möglich frei zu machen für das angestrebte amtsenhebungsverfahren des präsidenten maduro.

weiterhin auf der agenda zur lösung der wichtigsten probleme des landes aus sicht der bürgerlichen opposition,

eigentumstitel für immobilien der nutznießer der “gran mission vivienda” (staatl. wohnungsbauprogramm, mehr als 1 million wohnungen wurden in den letzten jahren vom staat geschaffen) … deren nutznießer sollen nun teil des freien immobilienmarktes werden !

3 millionen rentner sollen neben ihren pensionen weitere zuwendungen erhalten welche dem staat weitere 30% an ausgaben bescheren würde.

constitution

die sogenannte verfassung von1999 wurde direkt in einem volksentscheid mit fast 72% zustimmung befürwortet, die wahlbeteiligung lag allerdings nur bei 48% da die opposition sich nicht daran beteiligt hatte. internationale stimmen bescheinigten der neuen constitution eine zutiefst demokratische prägung, vom plebizit bis hin zur einbindung und den rechten der indigenen bevölkerung. der präsident wird fortan vom volk direkt bestimmt.


opposition

die ziele der opposition, wie immer man sie auch sehen mag, sie unterscheiden sich um hundertachzig grad von denen der bisherigen regierung und dem espiritu des vaters der bolivarianischen revolution hugo chàvez und sind gegen breite schichten des volkes gerichtet.

was soll man von neoliberalen auch erwarten, humanismus ? weniger armut, mehr soziale gerechtigkeit ? ...



maduro

indessen sucht maduro den ausweg aus der sackgasse, er hat zwar symbolisch noch die macht kann sie jedoch nicht ausüben weil ihm die mehrheit im parlament dazu fehlt. er hat sein kabinett umbesetzt in dem sich nun mehrere neue persönlichkeiten wiederfinden, auch hat er die opposition aufgerufen das volk solle über seine präsidentschaft entscheiden …


militär

das militär wurde in den vergangenen jahren sehr gut versorgt im gegensatz zu den zeiten der 4. republik und lässt sich daher nicht so leicht zum umsturz instrumentalisieren. auch hat es auf vielen ebenen eine starke verbindung mit dem volk (complejo civico-militar) und hält sich bei allen auftritten diskret zurück ohne dabei an seiner autorität zweifeln zu lassen …


am ende meiner kurzen einschätzung zur aktuellen lage in venezuela empfehle ich einen aktuellen blick nach argentinien zu werfen, dort herrscht in gleicher manier wie die hiesige opposition seit 10. dezember ein neoliberaler despot namens mauricio macri https://de.wikipedia.org/wiki/Mauricio_Macri mit dekreten welche millionen von menschen diskreditieren …


freue mich auf eure gästebucheinträge !

7.1.16 22:05


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zwei jahre ohne chávez, zwei jahre mit maduro


vom 5. bis 15. märz diesen jahres wurde mit zahlreichen festakten und machtdemonstrationen im ganzen lande von offizieller seite dem 2. todestag des expräsidenten und “commandante“ hugo chávez frias gedacht. von seinem sterbebett aus empfahl er seinen anhängern noch seinen favoriten für des präsidentenamt, nicolas maduro moros*, zu seinem nachfolger zu machen …

mit diesem akt begann sich die opposition, angeführt von capriles radonski*, für den sturz und untergang der bolivarianischen revolution warm zu laufen, der unterstützung mit geld und rhetorischer schulung aus dem westlichen ausland konnten sie sich dabei wie immer gewiß sein und chávez wunschkandidat hatte damals bei weitem noch nicht das charisma was chávez selbst und seine politik verkörperte. ein leichtes spiel sollte es nun werden den umsturz zu schaffen, egal mit welchen mitteln auch immer ...

bereits vor den verfassungsgemäß anberaumten neuwahlen des nachfolgers am 14. april 2013 erklärte der spitzenkandidat des oppositionsbündnisses “MUD“ (tisch der demokratischen einheit), er wolle auf keinen fall ein ergebnis zugunsten maduro´s anerkennen. in ihren zahlreichen und besonders medienwirksamen auftritten inszinierten die bürgerlichen medien schon den wahlsieg der opposition und unterließen nichts um mit allen mitteln maduro für unfähig und als moralisch inakzeptabel zu diffarmieren …

die griffe in die mottenkiste der geschichte und das gezielte verbreiten von lügen nahmen ihren nur allzu bekannten lauf und hier nur einige beispiele wie eine bürgerliche opposition mit einem medienanteil von 80% versucht gegen demokratische systeme zu kämpfen …

… maduro wäre nur einfacher busfahrer und hätte keine voraussetzungen für ein präsidentenamt.

… maduro arbeitete in der tat bei der metro von caracas, danach wurde er gewerkschaftsführer und setzte sich für die interessen der u-bahnfahrer ein, er gründete mit chávez die partei MVR und wurde sein engster vertrauter, von 2006 bis 2009  war er aussenminister venezuelas danach vizepräsident der republik …

 … maduro stünde es in seiner position nicht zu eine schweizer uhr im werte von 1000 dolar zu tragen.

… da fragt man sich doch ganz nebenbei was die oppositionellen bonzen von copei, ad, primero justicia und wie sie sich alle nennen an ihren handgelenken mit sich herumprotzen ...

 … maduro war bei den ausschreitungen in caracas 2002 der schütze von der berüchtigten llaguno brücke und hätte von dort oben auf oppositionelle geschossen.

… wer die manipulierten videoaufnahmen gesehen hat kann sich kaum vorstellen das der schütze in den letzen zehn jahren noch mindestens 10 bis fünfzehn zentimeter gewachsen sein soll … maduro hat mit 1,90m eine durchaus stattliche größe ...

 … maduro sei in kolumbien geboren, hätte die doppelte staatsbürgerschaft und könne so nicht für eine präsidentschaft kandidieren.

… es folgten seitens der opposition kopfgeldaufrufe auf die geburtsurkunde, auch das wurde ad absurdum zu den akten gelegt ...

zugegeben, das wahlergebnis war knapp und für den neuen präsidenten maduro, kein guter start. mit  50,78 % und 273000 stimmen mehr als der gegenkandidat stellten sich schon die ersten erfolge der oppositionellen medienkampagnen ein. bei den präsidentschaftswahlen von 2012 hatte chávez ein bessere ergebnis erzielt, aber die US imperialistische medienindustrie versuchte auch damals schon ihr glück mit der manipulation der massen …

rückblick: wahlen chávez / capriles am 7.10.2012            weit vor ende der stimmenauszählungen gab der US amerikanische sender CNN über sein spanischsprachiges portal das wahlergebnis bekannt, zwischen 19:50 und 20:10 uhr erhielt ich per mehrerer sms detaillierte daten aus dem ganzen land und das gesamtergebnis: capriles 56% und chávez 31%. das offizielle ergebnis von der wahlbehörde CNE wurde aber erst um 22.30 uhr veröffentlicht und ergab 54% für chávez !? damit wollte man skepsis schüren und die stimmung auf den strassen anheizen, was auch in teilen gelang.

zurück im jahr 2013, gleich nach den wahlen verkündete capriles seine zweifel an der  rechtmäßigkeit der wahlen, legte protest ein und forderte eine stimmenneuauszählung. die oberste wahlbehörde stimmte dem zu und machte sich an die neuauszählung wobei ein repräsentativer anteil von 40% aller stimmzettel vorgesehen ist. nebenher bestätigten internationale wahlbeobachter die richtigkeit der wahlen, unter ihnen auch das carter-center, ein vom ehemaligen us präsidenten carter eingerichtete und international anerkannte wahlbeobachtungsorganistion. capriles schaffte es dann noch diese ausszählung anzufechten und forderte die restlichen 60% ebenfalls nachzuprüfen. die CNE willigte, obwohl ein solches verfahren in der verfassung nicht vorgesehen ist, ein und bot der opposition an sich bei der anstehenden mehrarbeit zu beteiligen. die feinen herren des MUD lehnten diese demokratische beteiligungsform kategorisch ab; wollten so der wahrheit nicht öffentlich ins gesicht blicken müssen ?!?

capriles, der uneinsichtige verlierer indes gab für seinem anspruch auf das präsidentenamt zu kämpfen nicht auf und wandte sich an internationale behörden und vorwiegend an in den usa ansässige NGO´s, bis heute ohne erfolg !

erste erfolge für die opposition, medien- , psychoterror und wirtschaftskrieg formen die menschen ...                 abgesehen von den aussschreitungen im frühjahr letzten jahres, aufgerufen von oppositionspolitikern wie leopoldo lopez* und maria corina machado* u.a., blieb der gefürchtete und vom westen immer wieder herbeigeredete bürgerkrieg oder die militärdiktatur aus, dafür nahm aber der politische druck auf die regierung zu, und nicht von seiten der oppositionsanhänger, auch von den eigenen anhängern hört man immer wieder ... “maduro ist nicht chávez“ (wie wahr, er heisst ja auch nicht so, ganz zu schweigen vom aussehen) und “unter chávez war war alles besser …“

die generation meiner groß- und urgroßeltern benutzten selbiges vokabular, einige sogar in abstrusen formen wie “unter hitler herschte wenigstens noch zucht und ordnung“, und “zu kaisers zeiten war alles besser“ klingt dagegen etwas gemäßigter … auch erinnere ich mich an das einkaufsverhalten der kriegsgeplagten generationen meiner eltern und großeltern … hamsterkäufe und eine übermäßige vorratshaltung waren auch in deutschland nach dem krieg durchaus normal und den erfahrungen der letzten kriegsjahre geschuldet …

aber venezuela ist nicht im krieg, hat auch keine hungersnot zu befürchten. nur wer sich jeden tag den medienschrott der opposition hineinzieht kann glauben was unglaublich ist … das gegenteil ist der fall, keinem venezolanischen haushalt fehlt es an etwas, was sich nicht in den regalen der supermärkte findet haben die menschen schon bei sich zuhause, und das in vielfachen mengen, ein beispiel:

ich sah im haus einer deutsch-venezolanischen familie einen unglaublich grossen berg an toilettenpapier, schnell realisierte ich das es sich bei der vorhandenen menge um ca. eine europalette mit dem volumen von einem kubikmeter (1,2m x 0,8m x 1m) handeln müsste. ich stellte also eine rechnung an, 1960 rollen toilettenpapier für zwei erwachsene und einen kleinen hosenscheisser, das wären für ein ganzes jahr täglich 5,3 rollen verbrauch … über den inhalt der kühltruhe, der küchenschränke ganz zu schweigen, 10 kilo café, 10 kilo zucker usw.  …

vor den supermärkten indes werden die schlangen täglich länger … billig kaufen um teuer weiter zu verkaufen … der neue volkssport oder zumindest für die ärmsten venezolaner einzigste chance klarzukommen in diesem selbstgemachten system ?! die internationalen haßmedien rekrutieren indes durch solche bilder ihren gewinn, ein klares und bestätigtes nein zum sozialismus / kommunismus !

auch die deutsche botschaft mischt sich ein obwohl ihre aufgaben andere wären, sie hat den hierlebenden deutschen angeraten sich in eine liste einzutragen um immer auf neuste entwicklungen aus erster hand zurückgreifen zu können und ggf. schutz und hilfe zu erfahren … danke an die selbsternannten demokratieexporteure aus deutschland, in deren hinterzimmern sich die schwarz-braunen stiftungen der deutschen cdu-csu politiker und sogenennte entwicklungshilfeminister in die inneren angelegenheiten venezuelas einmischen ! 

rückblick ins jahr 2009                                                                  am 24. dezember 2009 las man hierzulande einen artikel der deutschen presseagentur (DPA) mit auszügen der us amerikanischen zeitschrift newsweek, was sich wie folgt anhört:

… 2010 wird fidel castro sterben … der venezolanische präsident chávez wird gestürzt … brasilien wird zu einem neuen china usw. und so fort …

gründe für den sturz von chávez wären lt. newsweek folgende:

… die verschlechterung der ökonomischen und sozialen bedingungen im lande … die weltweite rezession wird helfen chavéz wie ein hurrikan fortzufegen und den wandel zum sozialismus des 21. jahrhunderts vereiteln …

auch das umsturzdrehbuch hat newsweek schon geschrieben:

… mit stromausfällen, steigenden staatsschulden und dem kalten krieg mit kolumbien, damals noch vertreten durch den amerikahörigen präsidenten uribe …

und wie die geschichte sich wiederholt und immer wieder wiederholen sollte, nach dem drehbuch der selbsternannten weltdemokratisierungsbehörde USA, sieht wie folgt aus und diente als generalprobe für weitere putsche, genannt “demokratiewechsel“, in venezuela, südamerika und dem rest der welt …

zwei beispiele: 2009 wurde in honduras der rechtmäßig gewählte präsident manuel zelaya geputscht, jetzt geht es dort wieder amerikafreundlich zu !

und 2012 wurde in paraguay präsident fernando lugo aus dem präsidentensessel “amtsenthoben“, obwohl er mehrheitlich zum präsidenten des kleinen südamerikanischen landes gewählt wurde … jetzt funktioniert die demokratie dort wieder im sinne der amerikaner, und deren vorteile liegen auf der hand …

 

danke für die mühen des lesens, mehr zum thema venezuela und den venezolanern in kürze !!

 * biografien bei wikipedia

23.3.15 13:48


mein abschiedsbrief

hallo ihr lieben,

eigentlich wollte ich euch rechtzeitig zum weihnachtsfest einen WEIHNACHTS-BRIEF schreiben, dafür ist es mittlerweile zu spät, für einen abschiedsbrief hingegen fehlt noch ein bissl :-) und somit entschied ich mich für folgenden

JAHRES-RÜCKBLICKS-BRIEF ….


januar/februar

das neue jahr begann für mich ohne katerstimmung und ohne “gute vorsätze“, dafür sollten aber über´s ganze jahr verteilt eine ganze menge an überraschungen auf mich zukommen.

die kaufverhandlungen für meinen zukünftigen landsitz liefen seit november 2013 auf vollen touren, nun sollte endlich ein dokument den kauf besiegeln, es fehlten nur noch ein paar kleinigkeiten um den kaufvertag auch dem notar unterschriftsreif vorlegen zu können. ein erbfall an dem 9 erben, davon einer zusätzlich und vor kurzem dahinschied und ein weiterer in den usa lebender, erschwerten alles aber ende februar wurde letztendlich unterschrieben, von allen erben persönlich, per vollmacht für den letztverstorbenen und der in usa lebende muss seine unterschrift nachreichen, und peter unterschrieb als mein strohmann. im juli 2013 wurde es auslänern versagt auf isla margarita immobilien zu kaufen …

märz/april

nun wohne ich seit kurzem in paraguachi (11° o5' 38,5“ N, 63° 51'37“W) inmitten einheimischer und fühle mich auf meiner ranch sicher, auch ohne hohe mauern drumherum, elektro- oder stacheldrahtzaun obendrauf oder nva-selbstschußanlage …

und für stolze 5800 euro hatte ich glück, das grundstück misst 635 m² und das haus mit drei zimmern, großer wohnstube, küche und bad hat beeindruckende 120 m². Einzigster wermutstropfen; das haus ist aus den 50er jahren und seine ehemaligen bewohner waren allesamt einheimische.

mit zunächst einmal wenig aufwand bepinselte ich die wände eines der drei türlosen zimmer mit frischer farbe, installierte deckenventilator und klimaanlage, und schlafe nun erstmals in meinem leben unter dem eigenem dach. dann, beim allnächtlichen toilettengang verfing ich mich im computerkabel, der in bereitschaft schlummernde laptop stürzte zu boden und die festplatte war dahin, und wiedereinmal all meine daten pfutsch; die lehre aus der geschicht … immer herunterfahren, dann überlebt ein laptop den kleinen schlag auf sein großhirn.


mai/juni

seit februar toben auch hier auf der insel die landesweiten krawalle gegen den gewählten präsidenten maduro. ich fahre an einem nachmittag wie desöfteren von porlamar nach hause, vorbei an einer der privaten universitäten als sich in diesem moment eine gruppe demonstrierender den herannahenden fahrzeugen in den weg stellen und auch mich sozusagen ausbremsen. und ich in unkenntnis derer spielregeln komme forsch daher und gedenke mein recht auf “freie fahrt für freie bürger“ einzufordern … ohne jemanden beeinträchtigt zu haben, springen blitzschnell einige der chaoten vor meinen kleinen fiat, umzingeln mich, schlagen mit steinen front- und heckscheibe ein … beim herauskratzen der heckscheibensplitter schnitt ich mich dann auch noch nahe der pulsader und das blut spritze pulsierend wie von selbiger bekannt … dank meiner beherzten nachbarn landete ich kurz darauf zum nähen in der notaufnahme.

aber auch gutes passierte inzwischen, meine … ( ich weiss nicht wie ich sie bezeichnen soll ) … gute fee, lud mich auf eine kurzreise aufs festland ein, bezahlte fähre, hotel und eine warme malzeit am tag :-) das alles durfte ich dann abarbeiten, mit viel geduld, toleranz etc … es waren vier wundervolle aber stressige tage in puerto la cruz … inklusive eines ausfluges mit der 15m motoryacht eines deutschen freundes in das inselparadies mocheima ...

und, dank deutsche welle tv ging auch ein international kultureller höhepunkt nicht spurlos an mir vorbei … conchita wurst (könnte man hier übersetzt also “wursthülle“ nennen) muß ich mir nun sorgen machen um die abendländische kultur ?!


juli/august

zu ende der fussball-wm nahm ich ein ausgesetztes katzenbaby vom strand mit und da sich zwei weniger langweilen, wenige tage darauf ein weiteres. nun habe ich zwei schwestern im haus, eine langhaarige weiße und eine getigerte.

die vorbereitungen für die rekonstruktion sind ins rollen gekommen, 90m² dach müssen abgetragen und erneuert werden, neue dachbalken aus rechteckigem stahlrohr und gespundete bretter liegen bereit. alles soll am boden gut gestrichen und vorbereitet sein, fehlt letztlich nur noch eine regenfreie jahreszeit, ich denke märz/april 2015. aber auch die kleinen arbeiten gehen voran und werden vorwiegend von mir selbst ausgeführt. anfang august habe ich die erste neue tür eingebaut, fliesen verlegt, gemalert ... und den umzug in das erste fast fertige zimmer abgeschlossen.


september/oktober

von mai bis ende november mache ich eine urlaubsvertretung und kann einmal mehr auf regelmäßige einkünfte rechnen, zwei mal wöchentlich mime ich hausmeister und poolboy in juan griego, ungefähr 25km von meinem haus entfernt … aber wie immer passiert etwas was mir das leben erschweren soll, es geht das getriebe meines fiat kaputt und ich mache nun nur noch einmal pro woche meinen job und brauche obendrein ein taxi … mein bandscheiben vorfall hat seinen x.ten rückfall und nur mit opiaten kann ich mich annähernd normal bewegen.

ich kaufe bei mercado libre, ähnlich dem bekannten ebay, ein gebrauchtes austauschgetriebe für genau mein auto, ich bezahle im voraus und erhalte anderthalb wochen später angeliefert … ein getriebe was nicht passt. Zu den venezolanern zu einem späteren zeitpunkt ausführlichere anmerkungen, jedenfalls weigerte sich der verkäufer es zurückzunehmen.

die versorgungslage im land und auf der insel wird immer schlechter, es bilden sich allerorten lange schlangen vor den geschäften, und solange einheimische nur nach ihrem maismehl anstanden interessierte mich das wenig. jetzt werde aber auch ich langsam zu den betroffenen, was ist ein guter morgen ohne die krönung, einen guten café … oder womit reinigt man seinen gehörgang, mit einem schaschlikspieß mit toilettenpapier umwickelt ?! langanhaltende toilettenpapierknappheit zwingt die regierung zu importen aus usa, sich also mit produkten des klassenfeindes den arsch abwischen ...


november/dezember

im mercado libre finde ich erneut ein getriebe und drücke auf kaufen. beim auspacken freute ich mich da es dem meinem hundertprozentig ähnelte, der verkäufer versicherte mir das alle gänge schalten und es lediglich beim zweiten geräusche gäbe … die syncronringe und kein gravierendes problem. ich entschied mich für den sofortigen austausch um dann mein eigenes richtig zu reparieren. gesagt – getan, drei stunden und die sache war erledigt nur konnte ich jetzt die kupplung nicht mehr treten, sie war schon ganz am boden. kupplungswechsel und damit erneut, getriebe aus- und eingebaut. die neue kupplung war ein zugewinn, das pedal stand auf gleicher höhe mit dem bremspedal und ließ sich weich bis zum boden durchdrücken. toll, ich schaltete den ersten, ein voller erfolg … bloß wie ging das dann mit dem 2ten, dritten usw. und dem rückwärtsgang ? überhaupt nicht ! zweimal hintereinander opfer von betrug … aber das leben geht weiter.

auf der suche nach ersatzteilen bin ich nun per bus, im sammeltaxi und zu fuß unterwegs und verbrenne viel zeit und kalorien, aber es gibt nichts zu kaufen.

hinzu kommt noch eine krankheit, chicungunia genannt. diese ist neu hier auf dem kontinent, stammt aus afrika und wird durch mücken übertragen. seit über fünfzig jahren der medizin bekannt gibt es jedoch keine prophylaxe, auch keine behandlungstherapien. der mensch ist auf sich selber gestellt und wenn die abwehrkräfte fleißig den virus bekämpft haben bleibt als lohn die lebenslange immunität.

zum geburtstag am 2. dezember bat ich alle, mir keine geldgeschenke (geld macht nicht glücklich konnte ich hier erfahren) sondern care-pakete zu schenken

bei der reinigung von klimaanlagen einer deutschen familie stecke ich meinen “kärcher“in eine vermeintliche 110 volt steckdose, gerüche während des arbeitens, dann rauchschwaden aus dem gehäuse sagen mir, da stimmt doch etwas nicht … und genau, die steckdose entpuppt sich als ü.ei, es kommt der volle saft an, also 220 volt.

zuhause will auch der kühlschrank nicht mehr sein werk tun, bloß noch das gefrierfach arbeitet normal, der untere teil hat sich der umgebungstemperatur angepasst ... aber das leben geht weiter und seit wochen bekommt man kaum noch bier zu kaufen, wozu dann also einen kühlschrank ?!

mein schönstes weihnachtsgeschenk ist dann wohl das getriebe was ich einen tag vor heiligabend aus der reparatur zurückerhielt.

am heiligen abend war ein geselliges ereignis am strand, mit anderen europäern zusammen gab es ein kleines weihnachtsessen … jetzt im nachhinein erst kommt mir die beste idee um dinge umzuverteilen und die vorräte im haushalt aufzufrischen … julklapp !!! mit seife, waschmittel, geschirrspülpaste, deoroller, klopapier, café, rasierer, telefonkarten, gewürze, tomatenketchup, bier .. .. .. .. ..

übrigens, die inflation, der verfall des rohölpreises und mißwirtschaft treiben den bolivar in den ruin. stolze 200 bolivar muss man heute für einen euro hinlegen, anfang des jahres waren es nur knapp die hälfte.

um hier leben zu können muss man ein verdammt dickes fell haben. Ich für meinen teil kann nur sagen: schlimmer als in diesem jahr kann es nicht mehr werden ! die skeptiker meinen jedoch genau das gegenteil, na dann

ein gutes neues jahr, viel glück und gesundheit für alle, egal woimmer auf der welt !!! euer rené


ps. muss jetzt unter die wohl letzte dusche in diesem jahr mit einem seifenrest so groß wie´n hosenknopp ...





27.12.14 19:01


über soziale kompetenz .....


oder das prinzip "leben und (über-)leben lassen"

wir haben den 14. november 2013 und befinden uns im 14.jahr einer sozialistischen revolution mit kapitalistischem antlitz +++ der dolar ist nach offiziellen quellen 6,3 bolivar wert, der euro variiert gemäß der börse um die 8,5 ...

der inoffizielle kurs für den euro liegt heute schon bei über siebzig !!! genau, richtig gehört: für einen euro bekommt man also 70 bolivares auf dem schwarzmarkt ...

ein päckchen butter kostet um die siebzig bolivares, ein kilo rindfleisch fast 100, ein schlankes suppenhuhn 120, ein kilo nudeln fast vierzig, ein karton eier 45 ...


ich habe eine verabredung mit einer deutschen rentnerin um mir einen karton frisch gelegter eier abzuholen, 12 stück für 48 bolis (nicht billig aber dafür legefrisch)  .... schon an der pforte werde ich mit den worten emfangen ... "das ei kostet jetzt 4 ! weil alles ist teurer geworden" bla bla bla ...

dann kommen wir auf die putzfrau zu sprechen, welche eigentlich schon am sonntag zum stube putzen kommen sollte ... heute ist donnerstag und es regnet nicht wie aus kübeln wie am letzten sonntag ... aber auch heute verweigert sich die frau mit ihrer abwesenheit des putzens ...

ich frage also die deutsche rentenempfängerin was sie ihrer venezolanischen putze pro stunde zahlt ... antwort: für 2 1/2 stunden erhält die frau ganze 100 bolivares (also 1,30 euro !!!) und dafür muß sie ja auch nur wischen und fegen ... und anderswo hätte sie noch viel mehr zutun für den selben lohn ...

venezuela hat einen gesetzlichen mindestlohn welcher zum leben zu wenig und zum sterben zuviel ist, derzeit knappe 3000 bolivares, mit dem aktuellem schwarzmarktkurs gerechnet sind das ungefähr 45 euro im monat ! und die mehrheit der deutschen gemeinde hat keinerlei scham und argumentiert .... wir zahlen ja schon mehr als den gesetzlich verordneten hungerlohn ...

seit dem wonnemonat märz, als die regierung die abwertung des bolivar um fast 50 % bekanntgab hat sich alles verteuert, bis
heute um mehr als hundert prozent und ... der schwarzmarktkurs ist von damals, wo er bei knapp bei 30 lag, auf den heutigen
kurs von über siebzig geklettert ...

das bedeutet: besagte rentnerin hat mit ihren euroeinkünften im  monat märz viel mehr für ihre puzfrau gezahlt, ungefähr
2,50 euro ! als sie es heutzutage bereit wäre zu zahlen ...

da stellt sich uns die frage nach moral und anstand doch ?!?!?

 

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18.11.13 21:02


isla margarita - grenada und zurück ...

ehrlich gesagt weiss ich nicht so recht wie ich den dritten teil meiner chronolgie anfangen soll, steht er doch einerseits mit teil eins ...

http://rene-auf-reise.myblog.de/rene-auf-reise/art/7238912/piraten-der-karibik 

und dem unvollendeten teil zwei ...

http://rene-auf-reise.myblog.de/rene-auf-reise/art/7332164/eine-reise-mit-dr-jekyll-mr-hyde

in enger beziehung ! hat aber anderseits seinen ganz besonderen verlauf mit unerwartetem ausgang ...

prolog und nachtrag : wir segelten damals von tobago mit ziel grenada morgens zeitig los, der skipper war im rausch, wie immer. fast 24 stunden später, nach einer durchsegelten nacht und einer distanz von 80 seemeilen trieb das boot vor der küste grenada´s sich selbst überlassen vor sich hin, die segel flatterten und der skipper schlief im vollrausch hinter dem steuer ...

ein paar tage wollte er ranhängen und die grenadinen, insel für insel erkunden, ... ich sei eingeladen ... waren seine worte aber es stank mir eh schon zu lange und jegliche lust auf mehr zeit als nötig an bord dieses schiffes und mit besagtem skipper waren mir eine horrorvorstellung. ich riß kurzerhand und knapp vor dem ziel das ruder rum, steckte den kurs nach margarita ab und segelte zurück in richtung margarita. es verging einige zeit bis der skipper erwachte und realisierte das der kurs nicht stimmte, für ihn jedenfalls nicht.

nach alldem erlebten war mein interesse an weiterem kontakt mit karl-heinz gleich null. eines tages im vergangenen jahr meldete er sich bei mir und fragte versöhnlich ob ich zeit hätte ihm bei einigen arbeiten an der veleta zu helfen. geld stinkt ja nicht und an land könnte ich ihm zur not den rücken kehren falls er sich wieder daneben benimmt, dachte ich mir und sagte zu. die arbeitseinsätze am schiff wiederholten sich mehrere male und wurden gut vergütet. bloß auf die frage ob ich mit ihm das schiff abermals überführen würde mußte ich ihn leider enttäuschen, nein ...

3. teil einer chronik

vor 3-4 monaten erhielt ich durch den buschfunk dann die information das skipper karl-heinz trocken sei; von einem zum anderen tag aufgehört hat zu trinken ...

es war wohl seine einzige chance zum überleben, und bis heute ist er sich dessen nicht sicher. als ich ihn dann aufsuchte traf ich ihn in einem kritischen zustand an, sein bauch war aufgebläht und sah aus wie der einer schwangeren im 9-ten monat, seine beine waren unterhalb der knie dick angeschwollen und rotbläulich angelaufen; ein erbärmlicher anblick ...

in den darauffolgenden wochen arbeitete ich wieder einige tage auf der werft in chacachacare an der veleta, ihr visa für venezuela war fast abgelaufen, die deutschen besitzer wollten im mai in die karibik kommen um einen letzten törn in richtung martinque zu machen bevor das schiff verkauft werden sollte ... 

fast flehend bat er mich nocheinmal mitzusegeln, anfangs antwortete ich noch zögerlich, hatte dann aber doch lust und weniger bedenken mit dem nun trockenen skipper klarzukommen ...

am mittwoch dem 8. mai ging es um acht uhr morgens los auf die 160 seemeilen lange fahrt. der wind bliess uns direkt ins gesicht und das sollte sich bis grenada nicht ändern. nach knapp 55 stunden unter motor erreichten wir dann die port louis marina in st. george´s /grenada.

http://portlouisgrenada.com

bei sooo.... viel luxus waren die strapazen der langen überfahrt unter motor schnell vergessen. mit dem skipper gab es keinerlei größere probleme außer das er sich beim anlegemanöver reichlich blamierte obwohl es keine beseren bedingungen zum anlegen hätte geben können. ich mimte während der hafenrunden den getreuen matrosen und überließ karl-heinz diese hafenshow ...

grenada ist eine reise wert, wenn auch teuer ... zumindest im gegensatz zu margarita. ein halber liter bier steht mit 2,5 dollar zu buche und das wiener schnitzel im "schnitzelhaus" hat auch seinen deutschen preis ...

www.schnitzelhausgrenada.com

der berliner wirt namens georg wechselte mir einige euro und somit konnte ich auf seinem balkon das bier und den hafenblick genießen. dollar mitzunehmen ist auf den westindischen inseln von vorteil, der euro ist den menschen dort fremd und man kann ihn nur auf der bank umrubeln ...

ich habe eine intersssante unterhaltung mit georg und seiner frau, sie erzählen mir das der tourismus auf grenada rückläufig ist, die condor nur noch einmal die woche kommt und die all inclusive hotels ausserhalb der saison mit rabatten bis zu 50% locken. die weltweite wirtschaftskrise spiegelt sich eben nicht nur auf isla margarita wider. die einheimische bevölkerung verbringt die abendstunden zwar auf der straße welche die ganze bucht umspannt, haben aber das geld für einen restaurantbesuch nicht. georg und seine frau schließen ihr lokal daher spätestens abends um acht ...

95 % der bevölkerung sind mehr oder weniger dunkelhäutig, abstammung afrikanischer sklaven. der einfluß des british empire ist allgegenwärtig, die berühmten roten telefonzellen am hafen sind zwar ausgeweidet stehen aber symbolisch für die koloniale vergangenheit, die english/us-amerikanische fastfoot kultur ist omnipräsent und formt die körper der menschen und ihren geist ?

überall sieht man rastafaris (Einige Rastafaris tragen Dreadlocks und ungestutzte Bärte als Ausdruck ihrer Verbundenheit mit Gott. Die Dreadlocks sind außerdem ein Symbol für Naturverbundenheit und erinnern an die Mähne des Löwen von Juda. Sie wurden ebenfalls als Symbol der Abgrenzung zu der westlichen Ästhetik der „weißen Unterdrücker“ und somit als Zeichen des Widerstands verstanden. Einige Rastafaris haben auch das Gelübde des Nasiräers abgelegt, was die charakteristischen Dreadlocks und die langen Bärte zur Folge hat. quelle: wikipedia) und der geruch von marihuana schwängert die luft von st. george´s ...

ich entdecke die stadt während karl-heinz das boot neu entdeckt, auf der überfahrt sind mehrere gravierende mängel am schiff aufgetreten und diese muß er nun kosmetisch beseitigen, die neuen besitzer tun mir schon heute leid.

ich mache einen spaziergang und genieße das pure leben, nur ein problem habe ich ... ich spreche kein english und mir kommt alles spanisch vor   ich fühle mich beim wirt des schnitzelhauses zwar sehr wohl aber meine umgetauschten euro sind schnell aufgebraucht ... egal, morgen ist sonntag der 12. und ich fliege zurück auf meine insel ...

bevor es für mich zurückgeht werde ich karl-heinz noch ein wenig an meinen entdeckungen teilhaben lassen. wir nutzen das schlauchboot um direkt im zentrum von st. george´s an land zu gehen. sonntagmorgen und es herrscht fast totenstille in der city. wir passieren den kürzeren der möglichen wege hin zum marktplatz ... durch einen engen tunnel der eigentlich für autos vorgesehen ist. am anderen ende des tunnels erscheint uns zwar licht aber dafür ist alles menschenleer wo ich tags zuvor noch reges treiben genießen konnte. hier ist der sonntag noch ein heiliger tag und man trifft sich in der kirche. die männer tragen weiße hemden und krawatte, die frauen ihre schickesten kleider und hochhackige schuhe ...

zurück am schlauchboot und diesmal nicht durch den tunnel sondern über den berg erleben wir doch noch wahres leben in der stadt, ein partydampfer füllt sich gegen mittag mit partyvolk. der dj macht seine mugge gut, mädels tanzen erotisch und die schlange vor der gangway reißt nicht ab ... jene welche sich diesen event wohl nicht leisten können verbleiben eben an land und ein hauch von mariuhana umhüllt meine nase

und jetzt folgt der zweite teil des 3. teiles der chronik ... chronologisch, versteht sich ...

16:40 steige ich in mein flughafentaxi was mich in weniger als 15 minuten und zu einem stolzen preis von 20 us-dollar zum maurice bishop international airport bringt +++ 16:55 stehe ich in der menschenleeren eingangshalle, keine anzeige deutet daraufhin das ein flug der "conviasa" um 18:20 geht und ich gehe wieder vor die tür um in der sonne meine letzten eastcarribean dollar auszugeben +++ 17:40 gehe ich zurück zum schalter, checke nur mit handgepäck ein, erhalte meinen boarding pass mit aufgeruckter abflugzeit 18:20 +++ 17:50 nach absolvierung der pass- und personenkontrolle stehe ich in der menschenleeren abflughalle, als plötzlich selbige dame welche mir soeben noch die bordkarte in die hand gedrückt und mir gute reise gewünscht hat, und bittet mich ihr zu folgen ... den ganzen weg zurück ! +++ 17:55 sie erklärt mir nun das die maschine schon vor einiger zeit abgeflogen ist +++ 18:10 und nach einigen unverständlichen diskussionen in spanglish werde ich mit dem personaltransport mit zurück nach st. george´s genommen +++ 18:30 stehe ich am heck der veleta und überrasche oder erschrecke karl-heinz ...

montag 13. mai +++ 7:30 mache ich mich erneut auf die reise, diesmal mit einem sammeltaxi und zur ticketagentur +++ 8:30 stoße ich wieder an meine grenzen, die für die venzolanische "conviasa" arbeitende agentin versteht mich nicht, ich sie auch nur in bruchstücken +++ 8:45 eine weitere mitarbeiterin trifft ein und wir einigen uns das ich nicht bis freitag warten muß um mit dem vorhandenen ticket zurückzufliegen, alternativ könnte ich heute bis trinidad und weiter nach porlamar fliegen. nur müsste ich das ticket nach trinidad bezahlen. ich beteuere kein bargeld und auch keine kreditkarte zu besitzen und fahre zurück nach karl-heinz +++ 10:30 steigen wir ins schlauchboot um an anderen ende der bucht den geldautomaten anzuzapfen +++ 10:50 steige ich wieder in ein sammeltaxi und fahre zurück zur agentur +++ 11:10 man stellt mir ein ticket nach trinidad aus und versichert mir das ich dort beim conviasa schalter nur das alte grenada-porlamar in ein neues trinidad-porlamar umtauschen könne, ohne kosten +++ 13:25 startet planmäßig die liat-airline mit mir an bord +++ 14.05 landung in trinidad, mache mich gleich auf zum check-in bei der conviasa...

nun potenziert sich das unglück auch noch, die maschine flog aufgrund eines defektes in porlamar garnicht erst los, neuer abflugtermin von trinidad: dienstag 14. mai zur gleichen zeit. wer nun ein ticket in der hand hält genießt die vollen fluggastrechte, hotel, verpflegung etc.

14. mai +++ 14:30 check-in, selbige dame der conviasa erklärt mir nun, da sie heute mehr zeit hat, daß ich ein ticket kaufen müsse, es keine umwandlung gäbe und ich mir mein grenada ticket in venezuela zurückerstatten lassen könne ... soviel konjunktiv ist selbst mir befremdlich. ich flehe sie an mir zu helfen, ein großes herz zu zeigen ... kein erbarmen ist zu erwarten, im gegenteil muß ich mir den spruch anhören "wer keine kohle hat muß eben zu hause bleiben" +++ 15:30 ich will nicht noch eine nacht auf dem flughafen schlafen und kämpfe weiter, rufe die imigration an, rede mit der flughafenbehörde und letztlich verbindet man mich mit der deutschen botschaft. ich schildere meine lage, kein geld, keine kreditkarte, kein ticket ... 10 minuten später ruft die botschaftsdame zurück und sagt ... tut mir leid ! lange schon tu mir alles leid, das man mensch nur ist wenn man besitzt ! selbst auf die frage nach einem cybercafé bekomme ich die antwort: wir haben hier auf dem airport WLAN ... ich aber weder laptop, tablet noch iphone ... ich bewege mich nunmehr ausserhalb dieser gesellschaft +++ 17:00 die maschine nach venezuela ist weg und mir steht noch eine ungewisse nacht bevor. im tourismusbüro steht der einzige computer den man mal für 15 min umsonst benutzen kann. ich checke die möglichkeiten über western union an bargeld zu kommen, ticketpreise bei billiganbietern und immer wieder über faceb... mit irgendjemanden kontakt aufzunehmen der mir helfen könnte ...

dann die beste idee aller zeiten ... ( hatte ich auch der dt. botschaft angeboten ) ich benötige jemanden der mir geld geben könnte, dem ich es zuvor auf ein deutsches konto überweisen würde +++ 18:15 sitze ich im bus nach port of spain/downtown zum bustermial, dort steige ich um in die linie 9 nach chagaruamas +++ 19:30 ich weiss nicht einmal wohin die reise gehen soll, nur eine marina ist das ziel und davon gibt es in chagaruamas 20 km westlich von downtown einige +++ 20:00 der busfahrer läßt mich dort aussteigen wo es viele segelboote gibt. ich gehe in die erste marina, gucke und frage nach deutschen seglern ... zweite marina dasselbe. ungefähr 300 meter weiter entlang der straße gibt es eine weitere marina namens  "power boats" +++ 20:30 ich betrete die hafenkneipe und frage erneut nach deutschen und bin dem verzweifeln nahe ... ich suche ein klo und eine dusche und werde fündig.  inmitten von hunderten aufgebockten segelyachten steht mein nächtliches domizil, ein sanitärhäuschen ... mit klo, dusche und einer bank zu schlafen +++ 20:50 nachdem ich nun endlich wichtiges verrichtet und geduscht habe nehme ich stimmen wahr ( jetzt nix schlimmes denken )

ich klopfe vorsichtig an den rumpf eines schiffes von dem es sowohl deutsch als auch spanisch tönt ... und werde herein bzw. herauf gebeten +++ 21:00 sitze ich an bord einer najad 390 und skipper joachim und seinen freunden gegenüber. ich schildere so kurz wie möglich meine schicksalhafte lage und komme zum wesentlichen, ich brauche geld !

man stattet mich noch mit polsterauflagen und einem kissen aus so das die nacht auf der holzbank zu einem erholsamen erlebnis wird. in der nacht leuchtet mir der strahl einer taschenlampe ins gesicht, nachdem ich mich erklärt hatte zieht der wachschutz weiter ... 

15. mai +++ 7:00 ist die nacht vorbei, es folgt das morgendliche frischmachen und dann geht´s aufs boot von joachim +++ 7:30 ich erhalte einen super café und eine stück landestypischen kuchen und überweise ihm online 200 euro auf sein konto. dann gibt er mir den gegenwert in tt dollar, ungefähr 1650 und ich bin wieder solvent ... das ticket soll mich später 1150 kosten +++ 8:30 stehe ich an der strasse, nicht nur das die busse im gegensatz zu margarita nur an haltestellen anhalten, man braucht obendrein vor dem einsteigen auch noch ein ticket. ich bekomme hier weit vor den toren der stadt kein ticket und eine haltestelle ist auch nicht in sicht. man erwähnte aber es gäbe sogenannte maxi-taxi und einen solches halte ich dann an. für ein paar tt dollar mehr bin ich dann aber recht schnell wieder in der stadt, nehme den bus zum flughafen und habe noch viel zeit bis zum abflug.

port of spain hat ausser dem charme der vielen schwarzen mädchen nicht viel was mich begeistern könnte. die esskultur ist unter aller kanone, die fastfood ketten reihen sich aneinander ... frittiertes undefinierbares gepresstes hühnerfleisch mit pommes und mayonaise bei kfc ... nescafé bei subway ...  und alles teuer. dieses angebot überzieht die ganze insel und ist nicht nur am airport vertreten, küche nach amerikanischer art eben ...

aber ! ausserhalb des flughafens gibt es eine anlage mit kiosken wo man auch gut und preiswert essen kann, alles individuell und mit liebe zubereitet. hühnchen in soya-honigsoße mit yucca, kartoffelsalat, gemischten salat und bohnen 30 tt dollar ... und satt !

zuguterletzt ... besteige ich den flieger der conviasa in trinidad mit ziel porlamar. und wieder ... erfolgt der abflug eine halbe stunde früher als ausgewiesen. bisher hatte ich immer probleme mit den verspätungen der bananenfliger ... in zukunft muß ich wohl umdenken und schon 3 stunden früher am flughafen sein, auch wenn die flugzeit gerade mal weniger als eine stunde dauert ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

27.5.13 02:00


vier jahre im AUS-land


oder …
OHNE MOOS NIX LOS

21. september,  isla de margarita / venezuela

an diesem tag genau vor vier jahren stieg ich in porlamar aus frankfurt kommend aus dem flugzeug um ein neues leben in freihet zu führen, frei von zwängen, frei von existenzängsten und frei von den diktaten deutscher bürokratie.

zuvor hatte ich im frühjahr 2008 einige wochen zeit mich auf margarita umzusehen und befand, hier ist der perfekte ort um in ruhe zu altern, mir ein kleines haus zu bauen und den traum von einer kleinen familie endlich zu leben ...

mein segelboot konnte ich noch halbwegs gut verkaufen und mein startkapital betrug damals um die zehntausend euro, ich fühlte mich gut gerüstet beim start in meiner neuen heimat, in einer bananenrepublik … meine wichtigsten 3 m³ hab und gut kamen einige wochen später im container auf dem seeweg nach … maschinen, werkzeuge, materialien, mein fahrrad und ein wasserbett.

genügend potenzielle kundschaft hatte ich während der ersten stipvisite ausgemacht, allein in der größten ankerbucht der insel, in porlamar zählte ich 140 masten. in den marinas und auf den werften tummelten sich die ausländischen yachties um ihre segelyachten zu überholen oder einfach nur das billige und unkomplizierte leben in venezuela zu genießen. mit großer ernstzunehmender konkurenz hatte ich nicht zu rechnen und so lief alles gut an. nach wenigen wochen hatte ich meine flyer an allen wichtigen punkten positioniert, bei meinen neuen ansprechpartnern die klinken geputzt und ihnen die hände geschüttelt … die karibische hurrikansaison konnte kommen und mit ihr noch mehr segler aus dem nördlichen teilen der karibik die hier schutz suchen. (venezuela ist ein sicherer ort vor diesen tropischen wirbesstürmen)

zehntausend euro sind keine summe bei der man von den zinsen leben kann und sehr schnell aufgebraucht. bei meiner bescheidenen lebensweise könnte diese summe gut für 2 jahre des überlebens ausreichen … wenn nicht immer ungeplantes dazwischenkäme.

für alle zukünftigen republikflüchtlinge und vaterlandsverräter daher einige ratschläge …

man nehme soviel wie möglich geld mit, muß ja nicht alles in bar sein … mindestens 50 tsd euro …

man sollte sich so schnell als möglich ein fahrzeug kaufen …

man sollte sich eine solide basis suchen von der aus man agiert, etwas zur miete und in zentraler lage …

und man sollte all den ballast den man im laufe seines lebens angesammelt hat daheim noch verscherbeln sonst wird er schnell auch zum ballast in der neuen heimat …

den ersten monat verbrachte ich in einem billigen stundenhotel aber auch das summiert sich schnell, tag für tag 60 bolivares … dann fand ich ein schmuddeliges zimmer in einer pension. bett, stuhl und klo mit dusche für ganze 200 bolivares im monat. um nun von a nach b zu gelangen benutzte ich den öffentlichen schrottverkehr, die busse. bis heute verstehe ich nicht das von dem eingenommen fahrgeldern nichts verwendet wird um die technik zu warten, erst wenn die vorderachse sich vom chassis verabschiedet hat ist das geschrei groß …

obwohl die insel nicht sehr groß ist wird eine fahrt mit den bus an das andere ende zu einer tagesreise, staubig und verschwitzt kommt man völlig erschöpft am späten nachmittag heim und hat weniger als die hälfte des geplanten geschafft. für den innenstadtbereich hatte ich mein fahrrad und war immer flotter am ziel als mit jeglichem auto oder bus ...

ich lernte einen gauner wie er im buche steht kennen, erfuhr das er einem ausweise, führerscheine und einiges mehr beschaffen könne … aber mein geld war mir dazu nun wirklich zu schade, 1000 euro für ein visa was unter umständen nicht einmal einer überprüfung standhält, das musste nicht sein. das mußte auch offiziell gehen, ohne korruption …

fred hatte aber auch anderes zu bieten, z.b. autos, motorboote etc. … bloß wußte kaum jemand das die schönen dinge die er einem anbot nicht sein eigen waren. ich wußte davon bis dato nichts und kaufte ihm ende 2009 ein auto ab, groß und rot war es, mit 8 sitzplätzen, ideal zum arbeiten … und langsam musste ich etwas tun, die 10.000 euro waren auf einen rest zusammengeschrumpft und mit jedem weiteren tag würden es weniger sein … aber es blieb mir keine zeit zum arbeiten, das auto verlangte mir alle zeit ab. die papiere waren nicht in ordnung und ständig hatte ich neue überraschungen mit diesem rollenden schrotthaufen bis hin das mir das automatikgetriebe seinen dienst versagte …

aber es gab auch immer wieder mal etwas positives, ich bekam einen guten auftrag, ein rigg komplett erneuern, verdiente richtige dollar und konnte mir wieder etwas zeit verschaffen die dinge in ruhe anzugehen … anfang 2010 kam ein weiterer großauftrag, bei einem neugebauten 18m katamaran zum ersten mal den mast stellen, nun hatte ich wieder über mehrere wochen eine bestimmung und ordentlich zu essen …

wer sich ein grundstück, ein auto oder boot kaufen möchte sollte dies nicht auf basis eines touristenvisa tun, diese verträge sind schlimmstenfalls rechtsunkräftig …

ganz wichtig ist die echtheit der papiere, um dies zu überprüfen braucht man unbedingt eine vertrauensperson …

ein spruch sagt : gott schütze dich vor sturm und wind … und vor deutschen die im ausland sind ! oder so ähnlich …

ich fand im frühjahr 2011 endlich einen dummen, einen jungen leutnant der guardia nacional (militär), der mir das große rote auto für 25 tsd bolivares abkaufte, bis dahin hatte ich es nicht geschafft auf legalem wege die nötigen papiere zu erlangen und das getriebe war erneut kaputt so das ich schon über ein halbes jahr ohne rückwärtsgang die eine oder andere überraschung erleben durfte …

und wie stand es bis dahin mit meinen träumen ? eigenes haus … fehlanzeige, traumfrau und nachwuchs … ebenfalls fehlanzeige, planerfüllung gleich null ! das wasserbett ist immer noch nicht aufgebaut und als melktier für die hiesige weiberschaft tauge ich nicht, es fließt bei mir nicht viel ausser ab und zu ein paar tränen und geld schon garnicht …

hier sagt man „liebe machen“ … lass uns liebe machen papi …

irgendwie klingt das komisch, wie lass uns vertrauen machen, lass uns hausaufgaben machen, lass uns den abwasch machen …

aber spaß beiseite, wenn damit ficken gemeint ist dann finde ich den begriff „liebe machen“ sehr unromantisch und in der tat ist es auch soooo … hier in amerika latina !

schnell rüber, schnell rein und raus und schnell fertig werden … dann noch schnell etwas auf die hand geben, am besten geld … und tschüß, bis zum nächsten mal oder auch nicht …

mein neues kleines blaues auto hat mich auch schon ein kleines vermögen gekostet, für 20000 bolivares (2000 euro) vor 15 monaten gekauft opferte ich bis jetzt weitere 15000 an reparaturen für den 16 jahre alten fiat. was läßt man sich nicht alles die mobilität kosten aber wenn er dann mal so richtig läuft ist autofahren total billig, naja zumindest an der tankstelle.

und sollte man einmal kein kleingeld in der tasche haben kann man den tankwart auch mit ein paar zigaretten oder einer tüte mangos zufriedenstellen … (gilt aber nur in venezuela).

heute und seit nunmehr 1 ¼ jahren landet keine europäische maschine mehr auf der “perle der karibik“ wie margarita auch genannt wird, oder wurde ? … meine potentiellen kunden haben venezuela den rücken gekehrt, zuviel bürokratie, hohe kosten, schlechtes niveau sowie kriminalität sind nur einige gründe dafür.

einige kleine arbeiten auf der werft blieben mir bis heute noch, rigginspektionen, kleinreparaturen oder kleinere drahtseilanfertigungen aber lange nicht genug um davon zu überleben …der geldfluß aus deutschland der mich in den ersten zwei jahren noch regelmäßig unterstützte ist versiegt und den letzten 500 euro schein habe ich in bolivares umgerubelt um das auto zu reparieren und die überfällige miete zu bezahlen. eine krankenversicherung habe ich nicht mehr.

mein ursprünglich geplantes hauptstandbein mußte ich durch eine krücke ersetzen, eine umkehr ist nicht in sicht. ich habe angefangen mich über klimaanlagen kundig zu machen, habe die ersten installiert, gereinigt und repariert … neuland erfordert investitionen in zeit und geld. zeit ist der einzige beneidenswerte luxus den ich genießen kann aber ich mußte auch spezielle arbeitsmittel und werkzeuge kaufen von geld was ich eigentlich nicht habe ... und ich suche eine gelegenheit umzuziehen, einerseits um miete zu sparen, anderseits um näher an den neuen klimaanlagenkunden zu sein.

das letzte steckenpferd, wenn nicht sogar das allerletzte … ist das taxifahren geworden, aber nicht als fahrgast, nee ... als kutscher. und da ich der ökonomie etwas kundig bin kann ich nach kurzer zeit sagen; die mühe lohnt nicht. ich schiebe meine probleme nur vor mir her, das alte auto verursacht hohe kosten und jedes schlagloch was ich erwische tut mir weh als wenn es den eigenen körper treffen würde. an manchen tagen habe ich pro gefahrenen kilometer die doppelten bolivares, an manchen doppelte kilometer pro bolivares und an ganz anderen tagen … bleibt mir nix, außer der erkenntnis … no vale la pena (die mühe lohnt nicht) !

existenzangst drückt sich unter anderem an unruhigem schlaf aus … mir bleibt derzeit noch eine kurze hose, ein paar plastelatschen für 50 bolis und 4 hemden … und wenn wieder mal einige bolivares übrig bleiben sollten muß ich sofort in neue klamotten investieren, die frauen hier sehen sofort bei wem es sich lohnt … oliven, parmesan, schinken, salami sind für mich zu luxusgütern geworden und ich vergesse immer mehr den geschmack dieser dinge. aber ok, die immer noch mehrheitlich arme bevölkerung leistet sich diesen luxus auch nur zu weihnachten, wenn überhaupt …


7.10.12 18:35


cuba 2012, im 53. jahr seiner triumpfreichen sozialistischen revolution, zweiter teil

donnerstag 9.2. bayamo-camagüey mit dem zug

der wecker bimmelt um fünf uhr morgens, draussen ist es noch dunkel und alles ganz still. uns bleibt nicht viel zeit, wir müssen zum bahnhof radeln, ein ticket kaufen und um 6 soll der zug nach camagüey fahrplanmäßig abfahren … als wir nach zwei kilometern den bahnhof erreichen ist der fahrkartenverkauf bereits beendet, der bahnhof abgeschlossen, es befinden sich keine fahrgäste mehr auf dem bahnsteig und der schaffner signalisiert dem lockführer die abfahrt. wir stehen vor dem maschendrahttor und rufen das wir noch mitwollen … glück gehabt, wir dürfen noch zusteigen, reichen unsere räder hoch in den gepäckwagen währenddessen der zug schon anrollt, wir springen noch dazu und sind mit von der partie, beim “familienausflug mit vorkommnissen“...

wir fragen den schaffner nach der zeit, er schaut auf seine armbanduhr, 6:05 … der wecker von hagen hatte scheinbar eine herz- und kreislaufschwäche und ging über nacht langsamer als er sollte, deshalb wurden wir unwissentlich erst um halb sechs geweckt. nachdem das auch geklärt war und wir jetzt im zug saßen, konnten wir entspannt dem ziel entgegenblicken, knappe 200 kilometer lagen vor uns und 5-6 stunden geschätzter fahrt. die kubanische eisenbahn trägt ihren namen zu recht, sie ist zu 99% aus eisen, wand- und deckenverkleidungen fehlen und die sitze sind aus gfk, hart und unbequem. die wagons, man könnte vermuten das es sich um ehemalige viehwagons handelt, sind dort wo ein fenster hingehört entweder gänzlich offen oder zugeschweißt. licht gibt es auch, jeder wagon hat zwei oder drei lose von der decke hängende lampenfassungen, manchmal fehlen die kabel und meistens die glühlampen und die toiletten ... sind eine ganz heikle angelegenheit, die meisten sind verschlossen weil die böden durchgerostet sind und wenn eine unter ihnen funktioniert stehen dem fahrgast 1x1 meter dunkelkammer zur erledigung seiner notdurft zur verfügung, ohne fenster, ohne waschbecken und seifenspender ( braucht man ja auch nicht wenn es kein wasser im zug gibt !) bei benutzung derselben ist das tragen von gummistiefeln dringendst empfohlen …

eine fahrt mit den “ferrocarriles de cuba“ ist immer ein erlebnis, eine rumba, abenteuerlich eben … viele menschen nutzen diese preiswerte art von a nach b zu gelangen. dabei halten die züge auch auf freier strecke und dort wo man nichts als weite pampa vermutet werden menschen und fracht ein- und ausgeladen die dann auf trampelpfaden zwischen zuckerrohr oder gestrüpp verschwinden. nach 20 kilometern und 1 ½ stunden fahrt halten wir am ersten offiziellen bahnhof aber auf dem abstellgleis, die lokomotive ist kaputt und nachdem wir erfahren das die lok erst in der nacht repariert wurde, das ausgetauschte teil schon wieder grund für den halt sei und nun eine ersatzlok angefordert werden soll ... wird mir klar das es dauern kann und ich nutze die zeit auf meine art.

“rio cauto“ nennt sich der kleine ort in der provinz las tunas dessen bahnhof keine wartehalle und kein bahnhofslokal besitzt aber nur ein paar hundert meter zu fuß gibt es café und etwas zum futtern. ich gehe mit daraimi die sich ebenfalls auf der reise befindet in den ort und habe eine nette begleitung an meiner seite die weder etwas zum trinken noch zum essen von mir erbittet, untypisch für eine latina. nach 3 ½ stunden des wartens wird vor die kaputte lok eine andere gespannt und los kann es gehen. kurz darauf setze ich mich neben sie und bald schon lehnt sie sich an bei mir, ich lege meinen arm um ihre schultern und sie fühlt sich wohl wie ein kätzchen, erzählt mir das sie nur ein mädchen vom lande sei und mit ihrer mutter in armen verhältnissen lebe … vor dem aussteigen in jobabo schreibt sie mir ihre adresse und die telefonnummer einer nachbarin auf und lädt mich ein sie bald zu besuchen. ein mädchen wie daraimi sollte ich mir suchen ... lieb, bescheiden und arbeitssam !

die fahrt geht weiter und auf den plätzen hinter uns beginnen die leute zu feiern, mit rum und musik. getränke- und snackverkäufer springen bei jedem halt auf den zug und bieten uns alles mögliche an. plötzlich leitet der schaffner einen nothalt ein … der zug raste, naja mit geschätzten 40-50 kmh, an einem offiziellem halt vorbei und kam 200 meter danach zum stehen … die aussteigewilligen hatten ihre absicht nicht rechtzeitig beim schaffner angemeldet. aber in cuba alles kein problem, die chinesische lok hat einen rückwärtsgang und setzt zurück …

am späten nachmittag erreichen wir camagüey, nach 200 km strecke und 10 stunden reise, aber das ist typisch für die “ferrocarriles de cuba“.

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629922051203

die route bei google earth: größere kartenansicht

in camagüey, der hauptstadt gleichnamiger provinz, finden wir im zentrum der stadt ein tolles quartier im “hostal de elsa“. in einem über hundert jahre altem haus im kolonialen stil haben wir ein riesengroßes zimmer mit einem nachträglich eingebauten bad. die ehemalige rechtsanwältin ist im ruhestand und mit ihrer herberge sehr geschäftstüchtig. muss sie auch, da die unterhaltung eines solchen hauses in cuba sehr teuer ist und es keine staatliche rente gibt. wenn man durch die straßen von camagüey geht fällt einem eines ganz besonders auf, hier wird auf tourismus der oberklasse gesetzt. im 2010 neugestalteten boulevard steht das 5 sterne grand hotel umgeben von luxusrestaurants mit internationalem niveau. teuer und für die mehrheit der cubaner unerschwinglich. wen wundert es da das junge mädchen sich davor wie auf dem laufsteg tummeln und präsentieren um von einem mann mit vollen taschen eingeladen zu werden. hagen und ich haben nur volle fahrradtaschen anzubieten ...   gegenüber steht ein gruppe polizisten/innen und beobachtet sehr genau das geschehen um die jungen damen. manchmal wird eine von ihnen heran gewunken und muß ihren ausweis vorweisen, das mitführen des personaldokuments ist in cuba bürgerpflicht und wer dagegn verstößt muß mit repressalien rechnen bis dahin das er mit auf die wache muß …

deutlich wird uns hier auch das gefälle im lande, das wohlstandsgefälle verläuft nicht nur von ost nach west aufwärts sondern auch zwischen der land- und stadtbevölkerung. ungleichheiten im kommunismus ? nein nur typisch dafür, der landbewohner hat selten die möglichkeit an devisen heranzukommen, er verdient peso cubano mit seiner hände arbeit. der städter hingegen lebt mittendrin im zentrum des tourismus und kommt durch vermittlungen und andere illegale geschäfte an die nötigen dollar für ein besseres leben, manche verdienen so an einem tage mehr als ein arzt im ganzen monat …

wir besteigen den kirchturm und blicken herab auf den plaza argamonte mit dem reiterstandbild des namensgebenden befreiungshelden, auf die alstadt mit ihrem historischen zentrum und dem gesamtausmaß camagüey´s. es ist einige riesige stadt mit industrie und neubaugebieten und einem baseballstadium. von oben alles von camagüey gesehen soll es am nächsten tag mit dem zug nach sancti spiritus weitergehen, 195 km im zug ! man kann gar nicht genug bekommen davon …

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629578360458

 10.2. camagüey – sancti spiritus mit dem zug

diesmsal kaufen wir das ticket am schalter und müssen tief in die tasche greifen, was der kubaner zahlt müssen wir in devisen berappen, das 25 fache also. dann kommt der nächste schreck, das fahrrad kostet ein dreifaches unseres tickets, kann das wahr sein oder steckt sich da wieder irgendwer was in die eigene … wir bezahlen ohne wahl den geforderten preis und erhalten dafür eine offizielle quittung über 18 cuc. dafür haben wir in diesem zug sogar eine platzkarte und sitzen auf dem polster eines ehemaligen wagon der deutschen reichsbahn der ddr, ich fühle mich heimisch. unser heutiger zug ist international und verkehrt auf langen strecken, wagons aus frankreich, argentinien und canada sind aneinander gekoppelt sogar ein wagon der ersten klasse ist dabei, mit riesengroßen roten polstersitzen …

eigentlich wollen wir schon 10 km vor sancti spiritus aussteigen, der kleine bahnhof liegt zwar an der strecke ist aber kein offizieller halt, für 5 cuc würde der schaffner uns den halt aber ermöglichen ... langsam glaube ich das jeder hier käuflich ist, aus der not heraus. es gibt schon seit langem eine zweiklassengesellschaft in cuba, auch wenn die regierung dies leugnet.

sancti spiritus hat keinen bahnhof so daß wir im 10 km nördlich liegenden ort guayos den zug verlassen müssen, der bahnsteig ist viel zu kurz und der gepäckwagon steht auf freier strecke. wir springen fast 2m nach unten auf das schotterbett und die räder werden uns hinterhergereicht. dieser zug war sogar pünktlich ! und wir kamen mit einbruch der dunkelheit im zentrum der stadt an.

warum wir diese zwei etappen mit dem zug zurückgelegt haben ? zum einen hätten wir die mehr als 400 km zwischen bayamo und sancti spiritus auf der einzigen und stark befahrenen ost-west achse, der nationalstrasse 1 zurücklegen müssen und zweitens geben die auf der strecke liegenden städte wie z.b. las tunas und ciego de avila nicht viel interessantes her ... naja, und wer genießen will braucht zeit !

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629943151969

wir fanden schnell das von elsa für uns reservierte quartier und waren begeistert vom hostal paraiso. dann machten wir uns auf die pirsch, das vielversprechende nachtleben lockte wie immer. sancti spiritus hat ein untypisch angelegtes strassenmuster, nicht wie beim amerikanischen verlaufen die strassen parallel und meist im rechten winkel, nein dieser ort ist so verwirrend angelegt das man sich mit gewissheit hier verläuft. übrigens ist die einfuhr eines gps in cuba, selbst zum persönlichen gebrauch, strengstens verboten. bleibt einem also nur der gute alte stadtplan und die sonne für die navigation…

sancti spiritus hat seinen ganz eigenen spirit, es gibt hier niemanden der uns anspricht, uns helfen oder nur unser bestes will. die erste stadt auch in der uns die jungen frauen kaum beachtung schenken. was auch normal so wäre wenn man zwei typen im alter von 50 und 60 die überdies noch mit dem fahrrad reisen … naja, es kommen auch wieder bessere zeiten und sancti spiritus ist ja nur ein punkt auf der kubanischen landkarte. im casa de la trova setzen sich einige damen in unserem alter zu uns und wollen es nocheinmal wissen. das gespräch mit ihnen ist ja ganz nett aber mehr ist nicht drin, eine der reifen hat es auf mich abgezielt und will mich am nächsten tag unbedingt wiedersehen … ich drehe und winde mich wie jemand der seinen hals aus der schlinge zu ziehen versucht und denke mir … alt bin ich schließlich selbst.

samstag 11.2. fahrradausflug zum zaza stausee, 35km

wir wollen uns einen stressfreien tag machen und radelten gemütlich südostwörts zu einem stausee in der hoffnung dort endlich mal wieder die hosen runter zu lassen. wieder wird nichts aus diesem vorhaben, der see ist verschlammt, zugewachsen und zum baden ungeeignet. am see liegt das hotel islazul zaza was einen verwahrlosten, dem verfall preisgegebenen eindruch macht. es hat von den ehemals 4 sternen nur noch einen behalten und nur wenige zimmer werden noch vermietet. auch das ist typisch kubanisch und wird von den herrschenden mit dem us-embargo begründet, wie alles was nicht funktioniert im lande. dieser hoteltyp wurde aus fertigen betonteilen in den 70 er jahren im ganzen lande gebaut und als 4 sterne hotel geführt, nach dem neubau beginnt der verfall und so ein hotel verliert alle zehn jahre einen stern, die zimmer werden immer billiger angeboten, das geld für instandsetzungen bleibt nicht übrig dabei, bis es letztendlich geschlossen wird … das ist kommunistische planwirtschaft ohne plan.

hotels für preisbewußte : http://www.islazul.cu/client/home/index.php

auf der rückfahrt vom see lädt uns der bauernmarkt am ortseingang zum besuch ein, die bauern haben samstag nachmittag schon eingepackt und gönnen sich nun ein bier vom fass, ich auch ! ganze 3 peso cubano kosten 700 ml der trüben brühe, abgefüllt aus einem großen runden edelstahltank. teurer als das eigentliche gesöff sind die selbstgebastelten trinkbehälter welche man gleich nebenan von geschäftstüchtigen kubanern erwerben kann. recycling wird in cuba ganz groß geschrieben, daher findet man kaum müll auf den strassen … selbst papprollen vom toilettenpapier werden nicht einfach leichtfertig weggeworfen sondern sind sehr begehrt bei der damenwelt, als lockenwickler nämlich !

die stadt ist im aufbruch und wird vielleicht einmal eine konkurrenz für trinidad, was heute schon touristisch an seine grenzen angelangt ist. die fassaden der häuser werden mit liebe zum detail vom staat restauriert und die engen gäßchen traditionell gepflastert. alles ist perfekt gemacht, gusseiserne poller verhindern das einfahren von fahrzeugen und pflanzkübel aus ton lockern das ambiente auf …

einen schlitzohrigeren vermieter als unseren señor hector hatten wir in ganz cuba noch nicht kennengelernt. ich verzichtete aus kostengründen auf das frühstück bei ihm wofür er 4 cuc pro person verlangte. zur erinnerung 4 cuc x 25 = 100 cup, ein fruchtsaft auf der strasse kostet 2 cup, ein brötchen mit ei kostet 5 cup, ein café 1 cup … obst, käse und mortadella, naja ! 500 prozent gewinnmarge sind das wenn man die kubanischen lebensmittelpreise kennt und nicht im all inklusive hotel wohnt. und fallensteller hector stellt hagen zu seinem frühstück eine flasche mineralwasser auf den tisch die er dann mit 1 cuc extra in rechnung stellt, das hat selbst den sonst so ruhigen hagen etwas aus der fassung gebracht ...

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629953062061

12.2. auf nach trinidad

irgendetwas magisches hat trinidad seit meiner ersten begegnung vor ungefähr zehn jahren für mich, daher freute ich mich besonders auf diese hübsche stadt die unter dem patronat des weltkulturerbes der uno steht. um 6:30 starteten wir unsere 67 km strecke zwischen sancti spiritus und trinidad die später von mir zur landschaftlich schönsten erwählt wurde. auf unserem weg der zunächst mit dem schwierigkeitsgrad 4 begann mussten wir nach 20 kilometern im kleinen örtchen banao anhalten um energie aufzutanken. an einem imbiss vor dem eine schlange von kunden wartete, was bekanntlich ein gutes zeichen ist, gab es guayabasaft, café, belegte brötchen und alles war lecker. es gab auch hagens lieblingsbrötchen mit “muta“, einem kleinem fisch der in teig eingehüllt und frittiert wird, dann kommt er in die mitte eines aufgeschnittenen brötchens und am ende guckt der schwanz heraus … guten appetit !

wir entdecken im vorbeifahren am strassenrand ein etwas verwittertes plakat mit einem ausspruch von ernesto ché guevara, spontan müssen wir umkehren um genauer hinzusehen und sind beeindruckt von dieser, seiner erkenntnis ...


auf der erde fehlen menschen welche

mehr arbeiten und weniger kritisieren,
die mehr konstruieren als zerstören,

die weniger versprechen und mehr einhalten,
die weniger erwarten als sie geben,

welche heute ihr bestes geben und nicht erst morgen ...
ché


einige kilometer vor trinidad gibt es noch einen historischen ort zu besuchen, die finca iznaga. hier wurde ehemals von sklavenhand der reichtum der zuckerbarone vermehrt. der 52 meter hohe ehemalige wachturm bietet heute jedermann einen wundervollen weitblick auf das tal der zuckermühlen, früher diente der turm den sklavenhaltern zur beobachtung der sklaven und mit den glocken wurde ihnen von hoch oben der alltagsablauf diktiert. ein trauriges kapitel kolonialer geschichte was bis ins zwanzigste jahrhundert reicht ...

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629953125503

 

… und dort wo geschichte geschrieben wurde erleben wir die neuzeit, kinder betteln uns an und rundherum dreht sich alles nur um den dollar … im herrenhaus der ehemaligen finca kann man gut essen, einen café trinken oder sich selbst seinen “guarapo“ an der “trapiche“ pressen … wir lernen jorge kennen der uns in seiner funktion als koch entgegentritt und sogar eine traditionelle kochmütze auf dem kopf trägt. seinen geschulten blick für bedürftig quartier suchende kann man ihm nicht absprechen, er gibt übergibt uns seine visitenkarte vom casa seiner familie und wirbt mit hohem niveau und guten speisen zu besten preisen …

nur wenige aber dafür umso mehr hügelige kilometer verbleiben noch bis trinidad, der wohl bekanntesten kolonialen stadt cubas. als wir an der ersten kurve nach einer langen zielgeraden links abbiegen und endlich trinidads´s silhouette vor uns erblicken wartet jorge´s ehefrau bereits auf die zwei angekündigten deutschen radlergesellen. wir hielten kurz an und heuchelten interesse, hagen mehr als ich, und redeten uns heraus das wir erst einmal etwas essen müssten …

hagen hatte anderes vor … wir hatten uns bereits im campismo-büro in sancti spiritus informiert und erfahren das es ein campismo in trinidad gäbe, leider konnte uns der überforderte mitarbeiter nicht genau sagen wo genau. jetzt kam hagens´s ehrgeiz und seine heimliche und späte rache gegen mich ins spiel …

(auszug aus meinem blog, polen 2007)

von dabki bis mielno - ist auf einer 10 km langen landzunge eine durchgehende strasse eingezeichnet und das radwegzeichen ist wie immer unser ständiger begleiter. auf halber strecke endet die strasse auf einem campingplatz der sehr ruhig gelegen ist, auf der einen seite hinter den dünen die ostsee und auf der anderen ein binnensee. hagen fragt mich nach meinem wunsch und ich antworte: “vorwärts immer, rückwärts nimmer“ wir schieben erstmals unsere räder am strand und jeder normale mensch hätte aufgegeben, wäre umgedreht und hätte statt dieser tortur einen umweg in kauf genommen. hagen wurde zwar immer mißgelaunter, folgte mir aber.....noch 4, noch 3, .........noch 1 km und dann ergab der blick hinter die düne eine überraschung. wir hatten es geschafft und waren auf einem kleinen waldcampingplatz angekommen. an diesem abend erlebte ich ihn erstmals körperlich völlig am ende, kaum war die sonne verschwunden lag er auch im zelt.

an der suche nach dem campismo von trinidad scheiterte selbst hagen, 8 kilometer nach der stadt trat ich in den radlerstreik, keinen meter mehr vorwärts befand ich für mich und hagen bekam eine halbe stunde von mir für den weg ins nirgendwo und zurück, andernfalls würde ich auch ohne ihn zurück nach trinidad …

währenddessen befreundete ich mich mit einer 75-jährigen bäuerin an, deren haus sich an der strasse zum tal “topes de collantes“ befindet. ihr mann sei vor vielen jahren verstorben, erzählt sie während sie mir einen café aus eigener ernte anbietet und lebt nun sehr einsam und abgeschieden hier. alles ist problematisch, einkäufe, arztbesuche und für all das reicht ihre rente nicht, ganze 200 cup … holz für ihren herd muss sie selbst sammeln, wer solle ihr auch die gasflasche ins haus bringen ? und sie versorgt sich vom eigenen anbau. manchmal käme auch ihre enkeltochter zu besuch aber nicht um zu helfen; die jugend hat keine lust auf ackerbau und viehzucht ...

hagen kommt nach weniger als einer halben stunde erschöpft zurück und sieht ein das wir zurück nach trinidad fahren sollten. zu den ursprünglichen 67 kilometern kommen somit weitere 16 hinzu, aber das quartier von jorge entschädigt für alle qualen dieses tages…

13.02. trinidad - cuba

das trinidad von 2012, hat mich enttäuscht ! vor über zehn jahren war hier trotz tourismus und dem status der stadt als weltkulturerbe, alles noch ruhiger ... beschaulicher. heute kommen 40 - 50 reisebusse am tag und laden ab, touristen aus den all inclusive hotels cubas, hinzu kommen hunderte individualtouristen in mietwagen, im viazul oder auf dem rad.

unser quartier in jorges „casa de mami“ wird auch zum kulinarischen erlebnis. endlich kann ich mir mal wieder etwas besonderes leisten, hummer ! das ganze abendmenü mit einem großen lobster vom grill und verschiedensten beilagen macht nicht nur satt sondern schont mit 7 cuc obendrein meinen geldbeutel und das im zimmerpreis ausgehandelte frühstück lässt keine wünsche offen, daher hier die kontaktdaten ...

casa de mami : trinidad/cuba

email : hostaldemami@gmail.com

telefon : 0053 41 994357

am nächsten tag …

machen wir uns nicht auf zum stadtbummel durch trinidad, sondern bevorzugen eine radtour zur küste. von trinidad geht es zunächst bergab zum kleinen fischerdorf casilda. dort kann ich mir ein weiteres bild vom kubanischen fischereiwesen machen … die fähre, welche die bucht von casilda mit der halbinsel ancón verbindet verkehrt nicht. kein problem für uns, ancón ist nicht weit und wir radeln entlang der küste, vorbei an malerischen und unberührten stränden … für die rückfahrt nach trinidad wählen wir den alternativen weg über den aufstrebenden badeort “la boca“. die strandstraße dort entpuppt sich als einbahnstrasse. dies zeigte uns zwar bereits das verkehsschild, aber das die staatsgewalt uns radler stoppte … an einem tage zur mittagszeit, ohne autoverkehr und so weiter … uns belehrte und unsere umkehr bewirkte … darüber konnten wir natürlich nur schmunzeln, in die andere richtung gab es auch einen weg ...

mein bierdurst läßt mich in la boca an einem strandkiosk anhalten und alle hier anwesenden haben einen geschulten blick für mein peugeot fahrrad, darüber kommt man mit kubanern immer schnell ins gespräch und bald schon werden immobilien das hauptthema. mit einer gewissen überzeugung wird mir eine traumimmmobilie an diesem malerischen ort in cuba angeboten und man könnte als europäer schnell schwach werden und kaufen. aber vorsicht, trotz anders lautender aussagen kann man als ausländer in cuba nichts kaufen ! und wer über strohmänner oder einer heirat mit einer kubanerin das geschäft abwickelt, hat von beginn an schon verloren …

zurück nach trinidad geht es wie erwartet bergauf und mit einigen bieren im blut um so beschwerlicher. in trinidad läuft das tagesgeschäft mit den touristen, die bars sind voll und die touris auch, berauscht von cuba libre, mojito und der vom staatlichen tourismusmanagment verordneten salsakonzerte … und ich, gönne mir am letzten abend in trinidad ein weiteres mal lobster im casa de mami.

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629967764503

am valentinstag auf nach cienfuegos …

anfangs ging alles flott voran, immer parallel zur küste und ebenerdig, dann geht es bergauf und ich stoße wieder einmal an meine grenzen, muß absteigen und das rad schieben …

auf der 80 km langen strecke zwischen trinidad und cienfuegos passieren wir viele dörfer und erfahren das auch hier in cuba die bauern die ärmsten in der gesellschaft sind … mit büffeln werden die mini-äcker bewirtschaftet. die dezentralisierung der landwirtschft in cuba ist nicht wirtschaftlich und ohne traktoren und erntetechnik alles viel zu aufwendig, zu teuer die produktion. auf einer brücke hielt ich an weil zwei junge männer mit vier ochsen einen acker pflügten. als ich meinen fotoapparart zückte um davon ein foto zu machen wurden die beiden bauern aufmerksam und fragten mich ob ich für sie ein stück seife, oder shampoo, oder parfüm oder, oder, … hätte.

selbst wenn sie das geld dafür hätten, wo sollten sie es kaufen, weit und breit gibt es kein geschäft für solche “luxusartikel“, nur brot, reis und kerzen findet man im dorfkonsum … wen wundert es da, daß die beiden ihre letzte hoffnung in mich setzten um ihren frauen wenigstens am valentinstag mit einem stück “westseife“ eine freude zu bereiten. eine fahrt in die nächste stadt wäre für sie, wie für uns eine weltreise …

die landarmut zeigt sich immer wieder auch an der kleidung. in den großen städten sind die menschen schick und modisch gekleidet, auf dem lande tragen sie abgetragene, ausgeblichene und mit flecken und löchern überhäufte wäsche. dabei wäre doch alles ganz einfach und jeder könnte teilhaben am letzten schrei der mode … da es aber laut regierung keine armut im kommunismus geben darf, dies ein kapitalistisches problem sei, braucht man auch keine spenden. so werden die kleiderspenden aus den reichen industrieländern nicht etwa kostenlos an bedürftige verteilt sondern landen in den staatlichen pesogeschäften und werden dort für umgerechnet 1-2 dollar verkauft …

14.02. cienfuegos

an cienfuegos hatte ich große erwartungen, nicht nur weil uns mehrfach berichtet wurde das die stadt noch schöner geworden ist seitdem der boulevard erweitert und viele gebäude restauriert wurden. mein eigentliches interesse galt dem besuch der marina und dem kennenlernen der zwei deutschen yachtcharterbasen vor ort …

unser quartier lag leider an einer stark frequentierten strasse im herzen der stadt. aber die besitzer und besonders “estrella“ entschädigte für alle lärmbelästigungen. mit “mi amor“ redete sie jeden an, das klang gut in meinen ohren war aber vielleicht auch nur eine gespielte herzlichkeit von ihr. ihr mann alberto, war nicht etwa der italienische pizzabäcker, hatte aber die küche voll im griff. er bereitete uns das frühstück zu während frau “mi amor“ offenbar die chefrolle in diesem großzügigen haushalt innehatte und morgens vor verlassen des hauses ihm seine arbeiten zuteilte …

der valentinstag hat in cuba eine ganz besondere bedeutung und die blumenhändler sind sehr bemüht das jeder frau eine blume geschenkt wird, auch pralinen oder eben ein stück seife gehören an diesem tag als geschenk dazu. die strasen füllten sich nachmittags und man bekam kaum einen platz in einer lokalität, musik ertönte aus allen richtungen und die pärchen machten einen glücklichen eindruck. auf der bühne des club nautico sollte es am abend so richtig knallen, zuerst mit livemusik und zum schluß mit einem feuerwerk … ich war vom vielen radeln müde und lag um neun bereits auf dem rücken und schnarchte. der nächste tag war schon vorgeplant und es sollte früh losgehen, auf zur marina.

als erstes hatte ich mit adolf einen termin. dem schwaben und basisleiter der mit über 15 jahren cubaerfahrung aufwarten kann ohne aber die sprache zu beherrschen . adolf platten ist immer vor ort aber selten zur stelle während sein sohn sich in deutschland um die geschäfte der firma mit ihren 9 schiffen kümmert . www.platten-sailing.de wenn adolf seine langjährigen kubanischen mitarbeiter nicht hätte ginge wohl überhaupt nichts auf der basis und an den schiffen. der preis dafür ist zwar hoch, an den kubanischen staat zahlt der deutsche unternehmer 700 dollar pro mitarbeiter wovon der kubaner dann 16 cuc vom erhält (!) aber in deutschland würden dem schwaben die mitarbeiter ein vielfaches kosten womit er hier bei allen widrigkeiten dennoch einen standortvorteil genießt. jeder meter tauwerk, jeder fender, jeder schäkel … muss von deutschland herangeschleppt und teuer bezahlt werden, cubas zoll verlangt 25 % einfuhrsteuer …

eine weitere firma stand auf dem plan mit der ich bereits sein monaten in kontakt bin um auszuloten ob ein leben und arbeiten in cuba für mich möglich wäre. ich traf mit dem cubanischen basisleiter und wir wechselten ein paar worte, tips konnte ich von ihm keine erwarten und neuigkeiten ebenso wenig. dafür habe ich regelmäßigen kontakt zur spanisch-deutschen firma über ihr berliner büro.http://www.bluesail-caribe.com

in cienfuegos könnte ich wirklich leben wenn ich dort ein einkommen hätte. die stadt hat einen langen von nord nach süd verlaufenden prado, eine breite straße mit mittelstreifen der zum flanieren oder verweilen unter bäumen einlädt und der dann in den malecon übergeht. die angrenzenden gebäude bis hin zum vor einigen jahren rekonstruierten club nautico versprühren etwas magisches, ein ort zum träumen, zum wohlfühlen … wenn man das nötige taschengeld bei sich trägt. aber die zeit scheint noch nicht reif für mein engagement in cuba …

am nächsten tag fahren wir mit der fähre über die bucht von cienfuegos und sehen mitten herrlicher landschaften das zementwerk und die neue erdölraffinerie die mit hilfe venezuelas erbaut wurde und strategisch gut gelegen ist; zwischen baumwipfeln ist die ruine eines ehemals geplanten russischen atommeilers zu erkennen der aber nie in betrieb ging und bald schon erreichen wir den anleger am castillo de jagua, unser heutiges ausflugsziel … lohnenswert war die reise dorthin nicht aber dennoch ein erlebnis und während hagen noch ein wenig herum spazierte machte ich es mir auf der terasse des kleinen hotels neben dem fähranleger gemütlich, trank ein bier und blickte auf die enge ausfahrt aus der bucht hin zum karibischen meer …

ein café und ein stück kuchen am nachmittag, das ist für hagen wie für mich eine kühle flasche bucanero und ein nettes plätzchen. in meinem falle fügt es sich immer, anders bei hagen …

wie schon oft sieht er ein verlockendes stück süßes und begehrt es, dann stellt sich die frage nach dem café. wir entdecken an einer strassenecke eine moderne konditorei mit einer unglaublichen auswahl an bunt dekorierten törtchen, eckchen und schnittchen. auch eine espressomaschine steht bereit … hagen kauft wie immer zuerst das süße und geht durch die glastür in die andere hälfte des geschäftes wo sich die maschine befindet, bestellt einen espresso und dann folgt prompt die für cuba typische antwort vom presonal, no hay café … trösten konnte ihn in diesem schweren moment auch mein ratschlag nicht mehr ... „ besorge dir doch zuerst den café und kaufe dann erst dein törtchen !“

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157630044891488

16.02. santa clara im herzen von cuba

von cienfuegos geht es heute 65 km in richtung nordost, also entgegengesetzt dem eigentlichen ziel, la havana. und einzigster grund für unsere stipvisite in santa clara ist ein geplantes treffen mit dem dort lebenden deutschen namens mike. hagen verbrachte auf seiner fahrt nach santiago dort schon einige tage und ich hatte santa clara, den historischen ort mit dem ché mausoleum vor jahren ebenfalls besucht.

die ersten 50 km zwischen cienfuegos und der autobahn sind kein radlereldorado, schwere zement- und tanklaster bringen über eine schmale landstrasse ihre fracht in die anderen provinzen, das wirbelt viel staub auf und den sicherheitsabstand zu radfahrern halten die truckfahrer auch nicht ein, erstmals hatten wir ein unwohles gefühl beim fahren auf zwei rädern. als wir die autobahn erreichen haben wir platz, drei fahrspuren, eine standspur und das in beide richtungen, das ganze mutet an wie eine endlose flugzeuglandebahn …

“km 259“ nennt sich die autobahnraststätte kurz vor santa clara. dort machen wir eine pause und bestellen orangensaft aus dem dispenser, ein gerät was den saft umrührt und kühlt. wie der zufall will entdecke ich am dispenser einen aufkleber mit dem preis von 0,50 cuc und als wir um die rechnung bitten … wieder eine überraschung cubanischer art, verlangt der kellner das doppelte von uns. ich wollte es nicht glauben aber jetzt stand auf dem frisch darüber geklebten aufkleber tatsächlich 1 cuc … 100 % inflation innerhalb sekunden. der laden war leer, sie hatten zwei erschöpfte gringos vor sich und nutzten die gunst des moments ...

in santa clara am busbahnhof umringen uns wie fast immer und überall die schlepper … quartiere, taxis usw. werden und lästig aufgedrängelt und jeder versichert, sein angebot sei besser, das beste … wir halten uns an eine ältere frau die uns seriös erscheint und versichert das wir in ihrem eigenen haus unterkommen und das ohne schlepperprämie, die i.d.r. 5 cuc beträgt. so ist es dann auch, wenn schon nicht das perfekte quartier aber wenigstens sauber und ordentlich und wir sind selbst schon so cubanisch diszipliniert das wir nach dem beziehen des quartiers von selbst unsere pässe zücken und der wirtin in die hand drücken …

tausend-und-eine multa in cuba

alle vermieter in cuba müssen eine lizenz zum vermieten haben, dazu gehört auch ein vom staat vorgeschriebenes buch in das jeder gast bei anreise eingetragen werden muß. er muß auch in dem buch unterschreiben, mit demselben stift … sonst gibt es eine strafe (multa) ! während der devisenvermieter eine belegung hat darf er das haus nicht verlassen … sonst multa ! wenn man als gast eine andere cubanische person mitbringt, muß diese ebenfalls registstriert werden … wenn nicht, dann multa ! und wenn der vermieter seine 290 cuc an pauschalen steuern nicht pünktlich vorab bezahlt … multa !

der sohn der vermieterin erzählt uns das diese multas zwischen 200 und 2000 cuc liegen, je nach schwere des “verbrechens“, in ganz besonders schweren- oder in wiederholungsfällen kann das gesamte anwesen vom staat beschlagnahmt werden und die letzte und härteste aller multas ist die gefängnisstrafe. sohn und mutter haben in das gästezimmer 2000 cuc investiert, fliesen, sanitärkeramik, klimanlage … und müssen nun lange jahre dafür hart arbeiten. der junior hat zwar einen studienabschluß, hat seine ingenieur laufbahn aber zugunsten des taxi fahrens beendet. als chemieingenieur hatte er gerade einmal 300 peso cubano, jetzt mit dem taxi ein mehrfaches …

vertrauen ist gut, kontrolle ist besser“ ché

… konnte ich auf einem plakat lesen. ob diese lebensweisheit nun von ihm stammt oder von ihm nur rezitiert wurde, wer weiß ? aber eines erscheint mir logisch am kubanischen system… mehr freiheiten für das volk erfordern auch mehr staatliche kontrolle. und mit der verabschiedung neuer leitlinien der partei im letzten jahr hat sich wohl auch die kontrolle verstärkt. über die kleinen zugestandenen freiheiten an das volk um z.bsp. ein eigenes geschäft zu eröffnen und sich daran zu bereichern wacht die kommunistische partei umsomehr … die angst vor staatlichen kontrolleuren und verordneten multas ist omnipräsent in cuba.


http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157630060833391

 aus sympathie für ché dieser link: http://www.kampflieder.de/oktoberklub-lied.php?id=383


Wir lernten dich zu lieben
Von der historischen Höhe
Wo die sonne deiner Tapferkeit
Dem Tod keine Chance gab
refrain :
Hier bleibt
Die innige Transparenz
Deiner geliebten Gegenwart
Commandante Che Guevara

Deine ruhmreiche und starke Hand
Feuert auf die Geschichte
Wenn ganz Santa Clara
Aufwacht, um dich zu sehen
refrain ...

Du kommst und verbrennst die Brise
Mit Sonnen des Frühligs,
Um die Fahne aufzustellen
Mit dem licht deines Lächelns
refrain ...

Dein revolutionäres Lieben
Führt dich zu einem neuen Unternehmen
Wo sie die Festigkeit
Deines freiheits strebens erwarten
refrain ...

Wir werden weiter vorwärts gehen
Wie wir zusammen mit dir gegangen sind
Und mit Fidel sagen wir dir
"Bis in die Ewigkeit Commandante!"

… zum geplanten treffen mit mike kam es in santa clara nicht, obwohl wir mehrmals telefoniert hatten und verabredet waren. nur wer das cubanische telekommunikationssystem ausgiebig studiert hat kann nachvollziehen warum eine kontrarevolution in cuba keine chance hat. öffentliche telefone sind rar und immer von gruppen wartender kontrolliert, private telefone sind noch seltener und wenn jemand, besonders in ländlichen gegenden, über sein eigenes verfügt dann kommt das halbe dorf zu ihm um gespräche zu führen und immer hören viele ohren mit … handys sind so teuer und daher nur für geschäftsleute die alternative. die anschaffung ist groß und wenn man dann eines besitzt muß man ja auch ein saldo haben, und das fängt mit der karte für 6 cuc an die schnell verbraucht ist. noch eine besonderheit bei der einzigen und staatlichen telefongesellschaft; nicht nur der anrufer zahlt, der angerufene ebenfalls, fifty-fifty sozusagen, fazit: überlege dir genau wem du deine nummer anvertraust ... http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/7397944004/in/set-72157630060833391

ausklang einer radreise

am 17.2. erreichen wir nach 3 stunden fahrt im viazulbus varadero, die luxusbadewanne cubas. 11 cuc pro person und 3 cuc fürs rad kosten uns die knappen 230 km. hagen kannte sich bestens in varadero aus, er war bereits seit dem silvesterabend in cuba und hatte die ersten zwei januarwochen dort verbracht. sein hotel war nicht von der hand zu weisen, bloß für mein restliches budget unerschwinglich … . am busbahnhof unterboten sich die gutmenschen mit ihren angeboten uns mit ihren 50-er jahre amischlitten nach havana zu fahren, 60, 50, 40 cuc aber wir kamen ja gerade an und das war doch für jedermann ersichtlich, oder ? auch die privatquartierschlepper waren wieder auf der lauer ...

auf rädern ging es nun wie gewohnt auf zimmersuche, nicht weit vom busbahnhof entfernt fragten wir jemanden und wurden von ihm dann vorgeführt, leider war ein anderer tourist schneller und das zimmer schon belegt und wie immer vermittelte man uns hilfsbereit und uneigennützig an einen guten bekannten weiter … nach nur 5 minuten kam auf wackeligen füßen ein schätzungsweise 85 jahre alter revolutionsveteran der uns versicherte uns zu “seinem“ haus zu bringen. auf dem weg dorthin fiel ihm aber dann ein, das sein haus ebenfalls belegt sei, er aber jemanden kenne der platz hätte, gleich hier um die ecke; litt er vielleicht an altzheimer ?

wir sollten wieder einmal opfer werden, blieben diesmal aber unbeschadetet. von tür zu tor folgten wir dem alten, alle quartiere waren besetzt aber er wollte nicht aufgeben. sich durch uns ein paar schnelle dollar zu verdienen, war eigentlich die motivation seiner mühe. mir reichte es langsam dem alten von haus zu haus hinterherzutrotten, ich machte mich auf meine eigene suche, währenddessen hagen wohl aus mitleid immernoch dem greis folgte, wurde ich gleich in der nähe fündig, befand das quartier als ideal für ein paar tage und sagte der vermieterin zu.

plötzlich bogen die zwei suchenden um die ecke und als der alte mich erblickte steuerte er geradewegs auf mich zu und legte dabei sogar noch einen schritt zu … er sah sich auf der zielgeraden, ließ mich links liegen und steuerte direkt auf die vermieterin zu und erklärte ihr, er bringe ihr zwei gäste … mehr bedarf es nicht zu erzählen. ich hatte den preis bereits mit ihr ausgehandelt und der alte bekam noch ein glas wasser von ihr, ging aber was die dollar betraf an diesem tage leer aus.

was ist nur schiefgelaufen mit fidel´s glorreicher sozialistischer revolution das urgroßväter und veteranen der revolution solchen geschäften nachgehen müssen …

cubas all inclusive ferienparadies beginnt direkt hinter einer klappbrücke welche die provinz matanzas über eine autobahn mit der eigentlichen halbinsel varadero verbindet die 20 km traumstrand und mehrere dutzend hotels zu bieten hat …

eigentlich wollte ich niemals nach varadero, mit meinen über zehnjährigen cubaerfahrungen zählte für mich dieser ort nie zum authentischen cuba. aber nun war ich dort und konnte selbst miterleben wie den touristen dort etwas vom typischen flair cubas vorgegaukelt wird …

auf diesem fleckchen cubanischer erde gibt es kaum noch ein geschäft in welchem man in landeswährung, dem peso cubano (cup) bezahlen kann. willkommen im dollar paradies, der währung des klassenfeindes ! aber mit etwas geduld und entdeckergeist fand ich auch hier wieder gastronomische einrichtungen der cubanischen grundversorgung für einheimische und ausländische exoten, eine flasche bier für 10 und eine warme mahlzeit für 20 cup …

der betrug scheint hier besonders ausgeprägt, ein kellner in varadero kommt locker auf seine 250-300 cuc im monat, durch trinkgelder und betrug … erinnern wir uns, der durchschnittliche monatslohn der mehrheit der cubaner beträgt weniger als 20 cuc ! und der betrug an ausländern ist offenbar zum volkssport erwachsen, in der marina chaplin bestellen wir zwei espresso, laut preisliste für 0,35 cuc … x 2 macht 0,70 cuc. als ich dem kellner 1 cuc aufs tablett lege schaute er mir nicht einmal in die augen, macht 2 cuc ist seine antwort ! ich reklamiere und versuche diese rechnung zu hinterfragen. er wirft mir den cuc zurück auf den tresen und fordert mich unflätig auf zu verschwinden …

am abend eine ähnliche situation, das bucanero kostet an kiosken gewöhnlich 1 cuc, in restaurants mit ambiente und bedienung etwas mehr. ich kaufe an einem ausser-haus-verkauf eine flasche des süffigen bieres … und prompt kommt die rechnung, 1,50 cuc ! und wieder mache ich mich unbeliebt, ich fordere den kassenbon und denke mir so den verkäufer zur verlegenheit zu bringen … er zeigt mir eine zerknitterte alte kassenrolle und erklärt mir das die kasse defekt sei und keine bon´s ausdrucke … wie schlau denke ich und gebe ihm einen cuc, nicht mehr …

samstag 18. februar ( tagesetappe 50km)

zum radeln ist varadero bestens geeignet, von der klappbrücke bis zum östlichsten zipfel sind alle strassen in bester asphaltqualität. nach dem morgendlichen warm-up im atlantik geht es dann mit dem rad auf tour. besonders interssant für mich ist die noch im bau befindliche und zukünftig größte marina cubas, namens “marina plata“ am ende varaderos. mit 2500 liegeplätzen für kleine, mittlere, große und megayachten ist dies ein projekt der superlative … wir dürfen einen rundgang machen, aber nicht zu weit ...wir stehen unter ständiger beobachtung und werden schnell zurückgepfiffen als wir uns einer imaginären linie nähern. meine letzte frage an den offiziellen, für wen denn diese riesige marina einmal sein soll ? für ausländer selbstverständlich … ausländer mit plata (geld), wie wahr der name !

hinter der marina und am wirklich allerletzten ende varadero´s sehen wir zwei fahnen wehen, die landesflagge und die venezuelas … völkerfreundschaft oder ort für privilegierte funktionäre ? beim näheren hinsehen bemerken wir das es sich nicht um ein 4 oder 5 sterne ressourt handelt, die einfahrt ist von bewaffneten wachmännern besetzt, nur ein schmiedeisener zaun ohne stacheldraht gibt hier die demarkationslinie an. cameras sind sichtbar an jedem lichtmast angebracht ...

man erzählt uns das in diesem hotel niemand mit dem bus ankommt, nur limousinen mit getönten scheiben bringen ihre gäste vom flughafen direkt dorthin … ob chávez vielleicht dort seine krebserkrankung kuriert hat ?

sonntag 19. februar

hagen spendiert noch ein luxuriöses abschiedsfrühstück in unserer gemeinsamen unterkunft, am nachmittag trennen sich unsere wege, ich ziehe weiter und hagen bleibt die letzten tage seines 2 monatigen cuba trip´s hier um sich von den strapazen der reise und von mir zu erholen :-)

wir schwingen uns noch ein letztes mal gemeinsam auf unsere sättel und besuchen al capone´s kneipe direkt am strand, staunen über die vielen fotos der mafiaikonen welche in den 20er jahren dort ihre geschäfte mit der prohibiton machten und von cuba aus alkohol nach den usa schmuggelten …

auch die marina darsena stand abschließend noch auf meinem plan; wieder dürfen wir nach einigem verhandeln das objekt betreten, werden aber von einem offiziellen nach rücksprache mit seinem vorgestzten wie durch einen hochsicherheitstrakt geführt. fast ausnahmslos begegnen wir canadian, vorwiegend älteren pärchen, die hier dauerhaft auf ihren booten leben und dem cubanischen staat die marina finanzieren … sogar einen yachtausrüster hat die marina zu bieten, hier “super ferreteria nautica“ genannt … jegliche kommentare sind ersparenswert, siehe foto !

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157631808222509

4.6.12 21:15


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