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piraten der karibik

die leibhaftige begegnung mit johnny depp und seinen piraten waere mir an diesem 15. juni lieber gewesen als das real erlebte ...

ich hatte eine einladung von einem deutschen namens karl heinz ihn auf der fahrt von isla margarita nach port of spain / trinidad zu begleiten. die einzige bedingung meinerseits bestand darin das mir keinerlei kosten bis zu meiner rueckkehr auf der insel entstehen, verpflegung, flug und transfers inklusive.

am 12. juni als die sonne am hoechsten stand legten wir in porlamar ab und steuerten mit der 45 fuss segelyacht veleta die inseln "los frailes" an, ein beliebtes ausflugsziel und tauchrevier nordoestlich vor margarita. meistens blaest einem auf dieser strecke der wind direkt ins gesicht und so bleibt einem nur die fahrt unter motor, wie auch an diesem tag. eine stunde vor sonnenuntergang kamen wir auf los frailes an und ankerten in einer geschuetzten bucht.

am fruehen morgen des folgetages legten wir zeitig ab um unser 40 seemeilen entferntes etappenziel, die inseln "los testigos" noch bei tageslicht zu erreichen. wieder lief den ganzen tag der motor und der wind bliess uns mit 4 - 5 windstaerken von vorn ins gesicht. bei der annaeherung an diese inselgruppe sah man schon von weitem dass es sich bei diesem oertchen auf der landkarte um das paradis auf erden handeln koennte. den naechsten tag blieben wir dort und machten mit dem boot und einer schleppangel eine grosse runde um die hauptinsel, fingen zwar nichts aber ich konnte wunderschoene fotos machen.

die stimmung an bord war gut obwohl es nicht mein traumschiff war. das schiff war ungepflegt und ueberall wimmelte es von schaben, selbst in der nacht krabbelte es unter meiner bettdecke. dem skipper schien dies nichts auszumachen, er nippte 24 stunden am tag an seinem glas mit weinschorle und paffte eine nach der anderen. ich war also mit einem alkoholiker unterwegs was ich nun langsam bemerkte, selbst in der nacht stand er mehrmals auf um sich nachzuschenken. drei flaschen wein gingen dabei am tag sicherlich drauf und mir klar warum er eine kiste mit 30 flaschen an bord geschleppt hatte, die 3 schachteln zigaretten pro tag sind ein anderes thema ...

die nautischen unterlagen waren wohl auch nicht mehr auf dem neuesten stand, aber in zeiten der sattelitennavigation kann man darauf schon einmal verzichten wenn man einen gps an bord hat. ein kuestenhandbuch mit den schoensten ankerbuchten schleppte er noch aus dem antiquariat an, sicherlich schon 20 jahre alt, aus zeiten als es hier noch keine piraten gab ...

der vollmond strahlte und zeigte uns den weg bei der abfahrt von den los testigos aufs offene meer in diesen morgenstunden des 15. juni. und wieder kaempften mit maschine gegenan, gegen wind und wellen, hinzu kam aber heute noch eine starke westliche stroemung von 2 knoten die uns seitlich versetzte. der wind kam aus suedost und dorthin wollten wir eigentlich, in eine der letzten buchten an der kueste venezuela und nur noch 40 sm entfernt von unserem ziel, trinidad. ich steuerte das schiff bis es hell wurde, setzte die segel und stellte fest das wir mit dieser windrichtung entweder in richtung ost oder in richtung sued fahren konnten, aufgrund der stroemung es uns aber mehr nach nordost bzw suedwest vertrieb. ich bevorzugte die nordoestliche richtung, karl heinz hingegen die suedoestliche.er wollte die nacht nicht durchsegeln und lieber in einer bucht vor anker gehen ...

ich respektiere fast jede entscheidung eines kapitaens, so auch seine jetzige und legte mich in die koje um etwas vom fehlenden nachtschlaf nachzuholen ... nach einiger zeit steckte ich den kopf aus der luke weil ich lange zeit keine geraeusche mehr an bord wahrnahm. und wie ich vermutete, k h schlief, das schiff segelte dank seines autopilioten von selbst, naeherte sich aber sehr dicht der felsigen kueste der testigos ... ich dachte mir meinen teil zu seinen seglerischen faehigkeiten, oder war der alkohol etwa schuld daran das eine person derart verantwortungslos handelt, ein autopilot ersetzt schliesslich das menschliche auge nicht ...

anhand seines antiquarischen kuestenhandbuches suchte ich nach alternativen zielen und progammierte den gps auf die koordinaten N 10° 43,000" W 063° 01,400" ,  auf die verhaengnisvolle bucht namens ensenada medina, welche heute als ensenada nivaldo in den seekarten angegeben ist. die stroenmung liess langsam nach und so kamen wir langsam wieder auf kurs und konnten das ziel direkt ansteuern. mit meinem eigenen mitgebrachten steiner fernglas fand ich dann schliesslich die einfahrt inmitten von felsenwaenden an der venezolanischen festlandkueste. gegen nachmittags fuenf uhr liessen wir den anker fallen und blickten entspannt und zufrieden auf den schoenen strand mit seinen kokospalmen und den kleinen huetten die ein hotel ausmachten. welch eine friedliche kulisse,  fast zu schoen als drehort fuer einen piratenfilm !!!

am naechsten morgen sollte es dann bei morgengrauen weitergehen, in zwei etappen und immer unter motor in richtung osten an der kueste entlang. dieser plan zerschlug sich als wir bereits in den kojen lagen und schliefen, gegen 21.30 hoerte ich stimmen und andere merkwuerdige geraeusche an bord. und das kh wohl keine selbstgespraeche fuehren wuerde war mir in diesem moment blitzartig klar als ich durch die kleine luke von meiner koje ins cockpit schaute und fremde fuesse sah ...

scheinwerfer leuchteten ins innere des schiffes und die banditen waren bereits in der koje von kh. er wehrte sich nicht, ich vernahm nur ein wimmern ... lasst mich bitte am leben ... hier habt ihr all mein geld ... ich habe frau und kinder ... bitte tut mir nichts !

scheisse dachte ich, jetzt passiert das wovor man uns gewarnt hatte ... PIRATEN AN BORD !

ich verhielt mich ruhig wusste aber das es nur noch wenige sekunden dauern wuerde bis sie auch mich finden. es gelang mir noch meine devisen in sicherheit zu bringen, da stand mir auch schon jemand gegenueber, eine halbautomatische waffe auf mich gerichtet. hinter ihm kam ein zweiter mit einem revolver in der hand, beide fuchtelten mit ihren waffen herum und schrienen mich an ich solle auf den boden mit dem gesicht nach unten. da ich nacktschlaefer bin kauerte ich nun nackt und wie ein veraengstigtes kaninchen auf dem boden, den kopf nach unten gerichtet, die haende schuetzend ueber den hinterkopf gelegt ...

nun gab ich ihnen bereitwillig das buendel bolivares aus meiner hiosentasche, an mir vorbei verschwanden waehrenddessen mein laptop, mein fotoapparat mit den neuesten sonnenuntergaengen, das teure steiner fernglas, selbst die sonnenbrille nahmen sie mit. nun wurde ich mit dem gewehrlauf auf den kopf gestossen, man fragte erneut nach money ... dollar ... euro ...

karl heinz lag in der messe ausgestreckt baeuchlings auf dem boden, sie traten ihn und forderten mehr geld, sein handy und andere dinge ... es waren wohl insgesamt 6 oder 7 junge maenner im alter anfang bis mitte zwanzig die in einem ganz normalem fischerboot gekommen waren. nun verstauten sie auf diesem 7 meter langen offenen boot alles was hineinpasste, 2 aussenbordmotoren, elektrowerkzeuge, werzeugkisten, kuehlboxen, alles was nicht niet und nagelfest verschwand binnen einer halben stunde von bord, selbst eingebaute instrumente wie das ukw funkgeraet und das echolot wurden herausgerissen und mitgenommen ...

nach 30 oder 40 minuten hatte der spuk dann sein ende, sie klebten unsere haende mit tape zusammen und fesselten uns mit einem seil um fuer sich genug zeit zum fliehen zu haben. wir hatten keine moeglichkeit auf irgendeinem wege hilfe zu alarmieren, ohne funk, ohne handy ... wir entfesselten uns und standen wie versteinert vor einem chaos der zerstoerung und unordnung. sie hatten alle tueren und schubfaecher aufgerissen und alles herausgeholt und was sie nicht gebrauchen konnten lag nun im boot verstreut herum.

hauptsache wir sind noch am leben sagten wir uns, mein hals war trocken wie die sahara und wenigstens hatten sie das bier im kuehlschrank nicht auch noch geklaut ... nach einiger zeit des ueberlegens entschlossen wir so schnell wie moeglich diesen ort zu verlassen, sie koennten ja wiedetrkommen da ihre beute an barem nicht sehr ueppig ausgefallen war und schliesslich hatten wir ja eine deutsche flagge am heck was mehr erwaten liess ...

ohne echolot, ohne gps ohne ukw-funkgeraet  ... verliessen wir mitternacht die bucht und steuerten direkt mit kurs porlamar zurueck zur isla margarita, den kompass hatte man uns gluecklicherweise nicht gestohlen ...

hiermit endet vorerst mein weblog, ich richte den blick in die zukunft und viele fragen beschaeftigen mich und suchen nach loesungen. in eineinhalb jahren zwei laptops, 2 fotoapparate und viele weitere wertvolle dinge futsch ... ist das die lebensqualitaet die ich hier in venezuela suchte ...

 

 

 

 

 

22.6.11 18:23
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hagen (29.6.11 11:05)
liest sich spannend, so im Sesssel sitzend, so vermeintlich sicher und bequem, .. aber spätestens jetzt wäre für mich das Maß voll, in diesem "soz. Land" verrutscht etwas, da würde ich, bzw. ich hätte meine Zelte schon abgebaut, für dich ist es nicht so einfach, weiss ich,..alles Gute, Hagen

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