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cuba 2012, im 53. jahr seiner triumpfreichen sozialistischen revolution, zweiter teil

donnerstag 9.2. bayamo-camagüey mit dem zug

der wecker bimmelt um fünf uhr morgens, draussen ist es noch dunkel und alles ganz still. uns bleibt nicht viel zeit, wir müssen zum bahnhof radeln, ein ticket kaufen und um 6 soll der zug nach camagüey fahrplanmäßig abfahren … als wir nach zwei kilometern den bahnhof erreichen ist der fahrkartenverkauf bereits beendet, der bahnhof abgeschlossen, es befinden sich keine fahrgäste mehr auf dem bahnsteig und der schaffner signalisiert dem lockführer die abfahrt. wir stehen vor dem maschendrahttor und rufen das wir noch mitwollen … glück gehabt, wir dürfen noch zusteigen, reichen unsere räder hoch in den gepäckwagen währenddessen der zug schon anrollt, wir springen noch dazu und sind mit von der partie, beim “familienausflug mit vorkommnissen“...

wir fragen den schaffner nach der zeit, er schaut auf seine armbanduhr, 6:05 … der wecker von hagen hatte scheinbar eine herz- und kreislaufschwäche und ging über nacht langsamer als er sollte, deshalb wurden wir unwissentlich erst um halb sechs geweckt. nachdem das auch geklärt war und wir jetzt im zug saßen, konnten wir entspannt dem ziel entgegenblicken, knappe 200 kilometer lagen vor uns und 5-6 stunden geschätzter fahrt. die kubanische eisenbahn trägt ihren namen zu recht, sie ist zu 99% aus eisen, wand- und deckenverkleidungen fehlen und die sitze sind aus gfk, hart und unbequem. die wagons, man könnte vermuten das es sich um ehemalige viehwagons handelt, sind dort wo ein fenster hingehört entweder gänzlich offen oder zugeschweißt. licht gibt es auch, jeder wagon hat zwei oder drei lose von der decke hängende lampenfassungen, manchmal fehlen die kabel und meistens die glühlampen und die toiletten ... sind eine ganz heikle angelegenheit, die meisten sind verschlossen weil die böden durchgerostet sind und wenn eine unter ihnen funktioniert stehen dem fahrgast 1x1 meter dunkelkammer zur erledigung seiner notdurft zur verfügung, ohne fenster, ohne waschbecken und seifenspender ( braucht man ja auch nicht wenn es kein wasser im zug gibt !) bei benutzung derselben ist das tragen von gummistiefeln dringendst empfohlen …

eine fahrt mit den “ferrocarriles de cuba“ ist immer ein erlebnis, eine rumba, abenteuerlich eben … viele menschen nutzen diese preiswerte art von a nach b zu gelangen. dabei halten die züge auch auf freier strecke und dort wo man nichts als weite pampa vermutet werden menschen und fracht ein- und ausgeladen die dann auf trampelpfaden zwischen zuckerrohr oder gestrüpp verschwinden. nach 20 kilometern und 1 ½ stunden fahrt halten wir am ersten offiziellen bahnhof aber auf dem abstellgleis, die lokomotive ist kaputt und nachdem wir erfahren das die lok erst in der nacht repariert wurde, das ausgetauschte teil schon wieder grund für den halt sei und nun eine ersatzlok angefordert werden soll ... wird mir klar das es dauern kann und ich nutze die zeit auf meine art.

“rio cauto“ nennt sich der kleine ort in der provinz las tunas dessen bahnhof keine wartehalle und kein bahnhofslokal besitzt aber nur ein paar hundert meter zu fuß gibt es café und etwas zum futtern. ich gehe mit daraimi die sich ebenfalls auf der reise befindet in den ort und habe eine nette begleitung an meiner seite die weder etwas zum trinken noch zum essen von mir erbittet, untypisch für eine latina. nach 3 ½ stunden des wartens wird vor die kaputte lok eine andere gespannt und los kann es gehen. kurz darauf setze ich mich neben sie und bald schon lehnt sie sich an bei mir, ich lege meinen arm um ihre schultern und sie fühlt sich wohl wie ein kätzchen, erzählt mir das sie nur ein mädchen vom lande sei und mit ihrer mutter in armen verhältnissen lebe … vor dem aussteigen in jobabo schreibt sie mir ihre adresse und die telefonnummer einer nachbarin auf und lädt mich ein sie bald zu besuchen. ein mädchen wie daraimi sollte ich mir suchen ... lieb, bescheiden und arbeitssam !

die fahrt geht weiter und auf den plätzen hinter uns beginnen die leute zu feiern, mit rum und musik. getränke- und snackverkäufer springen bei jedem halt auf den zug und bieten uns alles mögliche an. plötzlich leitet der schaffner einen nothalt ein … der zug raste, naja mit geschätzten 40-50 kmh, an einem offiziellem halt vorbei und kam 200 meter danach zum stehen … die aussteigewilligen hatten ihre absicht nicht rechtzeitig beim schaffner angemeldet. aber in cuba alles kein problem, die chinesische lok hat einen rückwärtsgang und setzt zurück …

am späten nachmittag erreichen wir camagüey, nach 200 km strecke und 10 stunden reise, aber das ist typisch für die “ferrocarriles de cuba“.

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629922051203

die route bei google earth: größere kartenansicht

in camagüey, der hauptstadt gleichnamiger provinz, finden wir im zentrum der stadt ein tolles quartier im “hostal de elsa“. in einem über hundert jahre altem haus im kolonialen stil haben wir ein riesengroßes zimmer mit einem nachträglich eingebauten bad. die ehemalige rechtsanwältin ist im ruhestand und mit ihrer herberge sehr geschäftstüchtig. muss sie auch, da die unterhaltung eines solchen hauses in cuba sehr teuer ist und es keine staatliche rente gibt. wenn man durch die straßen von camagüey geht fällt einem eines ganz besonders auf, hier wird auf tourismus der oberklasse gesetzt. im 2010 neugestalteten boulevard steht das 5 sterne grand hotel umgeben von luxusrestaurants mit internationalem niveau. teuer und für die mehrheit der cubaner unerschwinglich. wen wundert es da das junge mädchen sich davor wie auf dem laufsteg tummeln und präsentieren um von einem mann mit vollen taschen eingeladen zu werden. hagen und ich haben nur volle fahrradtaschen anzubieten ...   gegenüber steht ein gruppe polizisten/innen und beobachtet sehr genau das geschehen um die jungen damen. manchmal wird eine von ihnen heran gewunken und muß ihren ausweis vorweisen, das mitführen des personaldokuments ist in cuba bürgerpflicht und wer dagegn verstößt muß mit repressalien rechnen bis dahin das er mit auf die wache muß …

deutlich wird uns hier auch das gefälle im lande, das wohlstandsgefälle verläuft nicht nur von ost nach west aufwärts sondern auch zwischen der land- und stadtbevölkerung. ungleichheiten im kommunismus ? nein nur typisch dafür, der landbewohner hat selten die möglichkeit an devisen heranzukommen, er verdient peso cubano mit seiner hände arbeit. der städter hingegen lebt mittendrin im zentrum des tourismus und kommt durch vermittlungen und andere illegale geschäfte an die nötigen dollar für ein besseres leben, manche verdienen so an einem tage mehr als ein arzt im ganzen monat …

wir besteigen den kirchturm und blicken herab auf den plaza argamonte mit dem reiterstandbild des namensgebenden befreiungshelden, auf die alstadt mit ihrem historischen zentrum und dem gesamtausmaß camagüey´s. es ist einige riesige stadt mit industrie und neubaugebieten und einem baseballstadium. von oben alles von camagüey gesehen soll es am nächsten tag mit dem zug nach sancti spiritus weitergehen, 195 km im zug ! man kann gar nicht genug bekommen davon …

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629578360458

 10.2. camagüey – sancti spiritus mit dem zug

diesmsal kaufen wir das ticket am schalter und müssen tief in die tasche greifen, was der kubaner zahlt müssen wir in devisen berappen, das 25 fache also. dann kommt der nächste schreck, das fahrrad kostet ein dreifaches unseres tickets, kann das wahr sein oder steckt sich da wieder irgendwer was in die eigene … wir bezahlen ohne wahl den geforderten preis und erhalten dafür eine offizielle quittung über 18 cuc. dafür haben wir in diesem zug sogar eine platzkarte und sitzen auf dem polster eines ehemaligen wagon der deutschen reichsbahn der ddr, ich fühle mich heimisch. unser heutiger zug ist international und verkehrt auf langen strecken, wagons aus frankreich, argentinien und canada sind aneinander gekoppelt sogar ein wagon der ersten klasse ist dabei, mit riesengroßen roten polstersitzen …

eigentlich wollen wir schon 10 km vor sancti spiritus aussteigen, der kleine bahnhof liegt zwar an der strecke ist aber kein offizieller halt, für 5 cuc würde der schaffner uns den halt aber ermöglichen ... langsam glaube ich das jeder hier käuflich ist, aus der not heraus. es gibt schon seit langem eine zweiklassengesellschaft in cuba, auch wenn die regierung dies leugnet.

sancti spiritus hat keinen bahnhof so daß wir im 10 km nördlich liegenden ort guayos den zug verlassen müssen, der bahnsteig ist viel zu kurz und der gepäckwagon steht auf freier strecke. wir springen fast 2m nach unten auf das schotterbett und die räder werden uns hinterhergereicht. dieser zug war sogar pünktlich ! und wir kamen mit einbruch der dunkelheit im zentrum der stadt an.

warum wir diese zwei etappen mit dem zug zurückgelegt haben ? zum einen hätten wir die mehr als 400 km zwischen bayamo und sancti spiritus auf der einzigen und stark befahrenen ost-west achse, der nationalstrasse 1 zurücklegen müssen und zweitens geben die auf der strecke liegenden städte wie z.b. las tunas und ciego de avila nicht viel interessantes her ... naja, und wer genießen will braucht zeit !

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629943151969

wir fanden schnell das von elsa für uns reservierte quartier und waren begeistert vom hostal paraiso. dann machten wir uns auf die pirsch, das vielversprechende nachtleben lockte wie immer. sancti spiritus hat ein untypisch angelegtes strassenmuster, nicht wie beim amerikanischen verlaufen die strassen parallel und meist im rechten winkel, nein dieser ort ist so verwirrend angelegt das man sich mit gewissheit hier verläuft. übrigens ist die einfuhr eines gps in cuba, selbst zum persönlichen gebrauch, strengstens verboten. bleibt einem also nur der gute alte stadtplan und die sonne für die navigation…

sancti spiritus hat seinen ganz eigenen spirit, es gibt hier niemanden der uns anspricht, uns helfen oder nur unser bestes will. die erste stadt auch in der uns die jungen frauen kaum beachtung schenken. was auch normal so wäre wenn man zwei typen im alter von 50 und 60 die überdies noch mit dem fahrrad reisen … naja, es kommen auch wieder bessere zeiten und sancti spiritus ist ja nur ein punkt auf der kubanischen landkarte. im casa de la trova setzen sich einige damen in unserem alter zu uns und wollen es nocheinmal wissen. das gespräch mit ihnen ist ja ganz nett aber mehr ist nicht drin, eine der reifen hat es auf mich abgezielt und will mich am nächsten tag unbedingt wiedersehen … ich drehe und winde mich wie jemand der seinen hals aus der schlinge zu ziehen versucht und denke mir … alt bin ich schließlich selbst.

samstag 11.2. fahrradausflug zum zaza stausee, 35km

wir wollen uns einen stressfreien tag machen und radelten gemütlich südostwörts zu einem stausee in der hoffnung dort endlich mal wieder die hosen runter zu lassen. wieder wird nichts aus diesem vorhaben, der see ist verschlammt, zugewachsen und zum baden ungeeignet. am see liegt das hotel islazul zaza was einen verwahrlosten, dem verfall preisgegebenen eindruch macht. es hat von den ehemals 4 sternen nur noch einen behalten und nur wenige zimmer werden noch vermietet. auch das ist typisch kubanisch und wird von den herrschenden mit dem us-embargo begründet, wie alles was nicht funktioniert im lande. dieser hoteltyp wurde aus fertigen betonteilen in den 70 er jahren im ganzen lande gebaut und als 4 sterne hotel geführt, nach dem neubau beginnt der verfall und so ein hotel verliert alle zehn jahre einen stern, die zimmer werden immer billiger angeboten, das geld für instandsetzungen bleibt nicht übrig dabei, bis es letztendlich geschlossen wird … das ist kommunistische planwirtschaft ohne plan.

hotels für preisbewußte : http://www.islazul.cu/client/home/index.php

auf der rückfahrt vom see lädt uns der bauernmarkt am ortseingang zum besuch ein, die bauern haben samstag nachmittag schon eingepackt und gönnen sich nun ein bier vom fass, ich auch ! ganze 3 peso cubano kosten 700 ml der trüben brühe, abgefüllt aus einem großen runden edelstahltank. teurer als das eigentliche gesöff sind die selbstgebastelten trinkbehälter welche man gleich nebenan von geschäftstüchtigen kubanern erwerben kann. recycling wird in cuba ganz groß geschrieben, daher findet man kaum müll auf den strassen … selbst papprollen vom toilettenpapier werden nicht einfach leichtfertig weggeworfen sondern sind sehr begehrt bei der damenwelt, als lockenwickler nämlich !

die stadt ist im aufbruch und wird vielleicht einmal eine konkurrenz für trinidad, was heute schon touristisch an seine grenzen angelangt ist. die fassaden der häuser werden mit liebe zum detail vom staat restauriert und die engen gäßchen traditionell gepflastert. alles ist perfekt gemacht, gusseiserne poller verhindern das einfahren von fahrzeugen und pflanzkübel aus ton lockern das ambiente auf …

einen schlitzohrigeren vermieter als unseren señor hector hatten wir in ganz cuba noch nicht kennengelernt. ich verzichtete aus kostengründen auf das frühstück bei ihm wofür er 4 cuc pro person verlangte. zur erinnerung 4 cuc x 25 = 100 cup, ein fruchtsaft auf der strasse kostet 2 cup, ein brötchen mit ei kostet 5 cup, ein café 1 cup … obst, käse und mortadella, naja ! 500 prozent gewinnmarge sind das wenn man die kubanischen lebensmittelpreise kennt und nicht im all inklusive hotel wohnt. und fallensteller hector stellt hagen zu seinem frühstück eine flasche mineralwasser auf den tisch die er dann mit 1 cuc extra in rechnung stellt, das hat selbst den sonst so ruhigen hagen etwas aus der fassung gebracht ...

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629953062061

12.2. auf nach trinidad

irgendetwas magisches hat trinidad seit meiner ersten begegnung vor ungefähr zehn jahren für mich, daher freute ich mich besonders auf diese hübsche stadt die unter dem patronat des weltkulturerbes der uno steht. um 6:30 starteten wir unsere 67 km strecke zwischen sancti spiritus und trinidad die später von mir zur landschaftlich schönsten erwählt wurde. auf unserem weg der zunächst mit dem schwierigkeitsgrad 4 begann mussten wir nach 20 kilometern im kleinen örtchen banao anhalten um energie aufzutanken. an einem imbiss vor dem eine schlange von kunden wartete, was bekanntlich ein gutes zeichen ist, gab es guayabasaft, café, belegte brötchen und alles war lecker. es gab auch hagens lieblingsbrötchen mit “muta“, einem kleinem fisch der in teig eingehüllt und frittiert wird, dann kommt er in die mitte eines aufgeschnittenen brötchens und am ende guckt der schwanz heraus … guten appetit !

wir entdecken im vorbeifahren am strassenrand ein etwas verwittertes plakat mit einem ausspruch von ernesto ché guevara, spontan müssen wir umkehren um genauer hinzusehen und sind beeindruckt von dieser, seiner erkenntnis ...


auf der erde fehlen menschen welche

mehr arbeiten und weniger kritisieren,
die mehr konstruieren als zerstören,

die weniger versprechen und mehr einhalten,
die weniger erwarten als sie geben,

welche heute ihr bestes geben und nicht erst morgen ...
ché


einige kilometer vor trinidad gibt es noch einen historischen ort zu besuchen, die finca iznaga. hier wurde ehemals von sklavenhand der reichtum der zuckerbarone vermehrt. der 52 meter hohe ehemalige wachturm bietet heute jedermann einen wundervollen weitblick auf das tal der zuckermühlen, früher diente der turm den sklavenhaltern zur beobachtung der sklaven und mit den glocken wurde ihnen von hoch oben der alltagsablauf diktiert. ein trauriges kapitel kolonialer geschichte was bis ins zwanzigste jahrhundert reicht ...

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629953125503

 

… und dort wo geschichte geschrieben wurde erleben wir die neuzeit, kinder betteln uns an und rundherum dreht sich alles nur um den dollar … im herrenhaus der ehemaligen finca kann man gut essen, einen café trinken oder sich selbst seinen “guarapo“ an der “trapiche“ pressen … wir lernen jorge kennen der uns in seiner funktion als koch entgegentritt und sogar eine traditionelle kochmütze auf dem kopf trägt. seinen geschulten blick für bedürftig quartier suchende kann man ihm nicht absprechen, er gibt übergibt uns seine visitenkarte vom casa seiner familie und wirbt mit hohem niveau und guten speisen zu besten preisen …

nur wenige aber dafür umso mehr hügelige kilometer verbleiben noch bis trinidad, der wohl bekanntesten kolonialen stadt cubas. als wir an der ersten kurve nach einer langen zielgeraden links abbiegen und endlich trinidads´s silhouette vor uns erblicken wartet jorge´s ehefrau bereits auf die zwei angekündigten deutschen radlergesellen. wir hielten kurz an und heuchelten interesse, hagen mehr als ich, und redeten uns heraus das wir erst einmal etwas essen müssten …

hagen hatte anderes vor … wir hatten uns bereits im campismo-büro in sancti spiritus informiert und erfahren das es ein campismo in trinidad gäbe, leider konnte uns der überforderte mitarbeiter nicht genau sagen wo genau. jetzt kam hagens´s ehrgeiz und seine heimliche und späte rache gegen mich ins spiel …

(auszug aus meinem blog, polen 2007)

von dabki bis mielno - ist auf einer 10 km langen landzunge eine durchgehende strasse eingezeichnet und das radwegzeichen ist wie immer unser ständiger begleiter. auf halber strecke endet die strasse auf einem campingplatz der sehr ruhig gelegen ist, auf der einen seite hinter den dünen die ostsee und auf der anderen ein binnensee. hagen fragt mich nach meinem wunsch und ich antworte: “vorwärts immer, rückwärts nimmer“ wir schieben erstmals unsere räder am strand und jeder normale mensch hätte aufgegeben, wäre umgedreht und hätte statt dieser tortur einen umweg in kauf genommen. hagen wurde zwar immer mißgelaunter, folgte mir aber.....noch 4, noch 3, .........noch 1 km und dann ergab der blick hinter die düne eine überraschung. wir hatten es geschafft und waren auf einem kleinen waldcampingplatz angekommen. an diesem abend erlebte ich ihn erstmals körperlich völlig am ende, kaum war die sonne verschwunden lag er auch im zelt.

an der suche nach dem campismo von trinidad scheiterte selbst hagen, 8 kilometer nach der stadt trat ich in den radlerstreik, keinen meter mehr vorwärts befand ich für mich und hagen bekam eine halbe stunde von mir für den weg ins nirgendwo und zurück, andernfalls würde ich auch ohne ihn zurück nach trinidad …

währenddessen befreundete ich mich mit einer 75-jährigen bäuerin an, deren haus sich an der strasse zum tal “topes de collantes“ befindet. ihr mann sei vor vielen jahren verstorben, erzählt sie während sie mir einen café aus eigener ernte anbietet und lebt nun sehr einsam und abgeschieden hier. alles ist problematisch, einkäufe, arztbesuche und für all das reicht ihre rente nicht, ganze 200 cup … holz für ihren herd muss sie selbst sammeln, wer solle ihr auch die gasflasche ins haus bringen ? und sie versorgt sich vom eigenen anbau. manchmal käme auch ihre enkeltochter zu besuch aber nicht um zu helfen; die jugend hat keine lust auf ackerbau und viehzucht ...

hagen kommt nach weniger als einer halben stunde erschöpft zurück und sieht ein das wir zurück nach trinidad fahren sollten. zu den ursprünglichen 67 kilometern kommen somit weitere 16 hinzu, aber das quartier von jorge entschädigt für alle qualen dieses tages…

13.02. trinidad - cuba

das trinidad von 2012, hat mich enttäuscht ! vor über zehn jahren war hier trotz tourismus und dem status der stadt als weltkulturerbe, alles noch ruhiger ... beschaulicher. heute kommen 40 - 50 reisebusse am tag und laden ab, touristen aus den all inclusive hotels cubas, hinzu kommen hunderte individualtouristen in mietwagen, im viazul oder auf dem rad.

unser quartier in jorges „casa de mami“ wird auch zum kulinarischen erlebnis. endlich kann ich mir mal wieder etwas besonderes leisten, hummer ! das ganze abendmenü mit einem großen lobster vom grill und verschiedensten beilagen macht nicht nur satt sondern schont mit 7 cuc obendrein meinen geldbeutel und das im zimmerpreis ausgehandelte frühstück lässt keine wünsche offen, daher hier die kontaktdaten ...

casa de mami : trinidad/cuba

email : hostaldemami@gmail.com

telefon : 0053 41 994357

am nächsten tag …

machen wir uns nicht auf zum stadtbummel durch trinidad, sondern bevorzugen eine radtour zur küste. von trinidad geht es zunächst bergab zum kleinen fischerdorf casilda. dort kann ich mir ein weiteres bild vom kubanischen fischereiwesen machen … die fähre, welche die bucht von casilda mit der halbinsel ancón verbindet verkehrt nicht. kein problem für uns, ancón ist nicht weit und wir radeln entlang der küste, vorbei an malerischen und unberührten stränden … für die rückfahrt nach trinidad wählen wir den alternativen weg über den aufstrebenden badeort “la boca“. die strandstraße dort entpuppt sich als einbahnstrasse. dies zeigte uns zwar bereits das verkehsschild, aber das die staatsgewalt uns radler stoppte … an einem tage zur mittagszeit, ohne autoverkehr und so weiter … uns belehrte und unsere umkehr bewirkte … darüber konnten wir natürlich nur schmunzeln, in die andere richtung gab es auch einen weg ...

mein bierdurst läßt mich in la boca an einem strandkiosk anhalten und alle hier anwesenden haben einen geschulten blick für mein peugeot fahrrad, darüber kommt man mit kubanern immer schnell ins gespräch und bald schon werden immobilien das hauptthema. mit einer gewissen überzeugung wird mir eine traumimmmobilie an diesem malerischen ort in cuba angeboten und man könnte als europäer schnell schwach werden und kaufen. aber vorsicht, trotz anders lautender aussagen kann man als ausländer in cuba nichts kaufen ! und wer über strohmänner oder einer heirat mit einer kubanerin das geschäft abwickelt, hat von beginn an schon verloren …

zurück nach trinidad geht es wie erwartet bergauf und mit einigen bieren im blut um so beschwerlicher. in trinidad läuft das tagesgeschäft mit den touristen, die bars sind voll und die touris auch, berauscht von cuba libre, mojito und der vom staatlichen tourismusmanagment verordneten salsakonzerte … und ich, gönne mir am letzten abend in trinidad ein weiteres mal lobster im casa de mami.

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157629967764503

am valentinstag auf nach cienfuegos …

anfangs ging alles flott voran, immer parallel zur küste und ebenerdig, dann geht es bergauf und ich stoße wieder einmal an meine grenzen, muß absteigen und das rad schieben …

auf der 80 km langen strecke zwischen trinidad und cienfuegos passieren wir viele dörfer und erfahren das auch hier in cuba die bauern die ärmsten in der gesellschaft sind … mit büffeln werden die mini-äcker bewirtschaftet. die dezentralisierung der landwirtschft in cuba ist nicht wirtschaftlich und ohne traktoren und erntetechnik alles viel zu aufwendig, zu teuer die produktion. auf einer brücke hielt ich an weil zwei junge männer mit vier ochsen einen acker pflügten. als ich meinen fotoapparart zückte um davon ein foto zu machen wurden die beiden bauern aufmerksam und fragten mich ob ich für sie ein stück seife, oder shampoo, oder parfüm oder, oder, … hätte.

selbst wenn sie das geld dafür hätten, wo sollten sie es kaufen, weit und breit gibt es kein geschäft für solche “luxusartikel“, nur brot, reis und kerzen findet man im dorfkonsum … wen wundert es da, daß die beiden ihre letzte hoffnung in mich setzten um ihren frauen wenigstens am valentinstag mit einem stück “westseife“ eine freude zu bereiten. eine fahrt in die nächste stadt wäre für sie, wie für uns eine weltreise …

die landarmut zeigt sich immer wieder auch an der kleidung. in den großen städten sind die menschen schick und modisch gekleidet, auf dem lande tragen sie abgetragene, ausgeblichene und mit flecken und löchern überhäufte wäsche. dabei wäre doch alles ganz einfach und jeder könnte teilhaben am letzten schrei der mode … da es aber laut regierung keine armut im kommunismus geben darf, dies ein kapitalistisches problem sei, braucht man auch keine spenden. so werden die kleiderspenden aus den reichen industrieländern nicht etwa kostenlos an bedürftige verteilt sondern landen in den staatlichen pesogeschäften und werden dort für umgerechnet 1-2 dollar verkauft …

14.02. cienfuegos

an cienfuegos hatte ich große erwartungen, nicht nur weil uns mehrfach berichtet wurde das die stadt noch schöner geworden ist seitdem der boulevard erweitert und viele gebäude restauriert wurden. mein eigentliches interesse galt dem besuch der marina und dem kennenlernen der zwei deutschen yachtcharterbasen vor ort …

unser quartier lag leider an einer stark frequentierten strasse im herzen der stadt. aber die besitzer und besonders “estrella“ entschädigte für alle lärmbelästigungen. mit “mi amor“ redete sie jeden an, das klang gut in meinen ohren war aber vielleicht auch nur eine gespielte herzlichkeit von ihr. ihr mann alberto, war nicht etwa der italienische pizzabäcker, hatte aber die küche voll im griff. er bereitete uns das frühstück zu während frau “mi amor“ offenbar die chefrolle in diesem großzügigen haushalt innehatte und morgens vor verlassen des hauses ihm seine arbeiten zuteilte …

der valentinstag hat in cuba eine ganz besondere bedeutung und die blumenhändler sind sehr bemüht das jeder frau eine blume geschenkt wird, auch pralinen oder eben ein stück seife gehören an diesem tag als geschenk dazu. die strasen füllten sich nachmittags und man bekam kaum einen platz in einer lokalität, musik ertönte aus allen richtungen und die pärchen machten einen glücklichen eindruck. auf der bühne des club nautico sollte es am abend so richtig knallen, zuerst mit livemusik und zum schluß mit einem feuerwerk … ich war vom vielen radeln müde und lag um neun bereits auf dem rücken und schnarchte. der nächste tag war schon vorgeplant und es sollte früh losgehen, auf zur marina.

als erstes hatte ich mit adolf einen termin. dem schwaben und basisleiter der mit über 15 jahren cubaerfahrung aufwarten kann ohne aber die sprache zu beherrschen . adolf platten ist immer vor ort aber selten zur stelle während sein sohn sich in deutschland um die geschäfte der firma mit ihren 9 schiffen kümmert . www.platten-sailing.de wenn adolf seine langjährigen kubanischen mitarbeiter nicht hätte ginge wohl überhaupt nichts auf der basis und an den schiffen. der preis dafür ist zwar hoch, an den kubanischen staat zahlt der deutsche unternehmer 700 dollar pro mitarbeiter wovon der kubaner dann 16 cuc vom erhält (!) aber in deutschland würden dem schwaben die mitarbeiter ein vielfaches kosten womit er hier bei allen widrigkeiten dennoch einen standortvorteil genießt. jeder meter tauwerk, jeder fender, jeder schäkel … muss von deutschland herangeschleppt und teuer bezahlt werden, cubas zoll verlangt 25 % einfuhrsteuer …

eine weitere firma stand auf dem plan mit der ich bereits sein monaten in kontakt bin um auszuloten ob ein leben und arbeiten in cuba für mich möglich wäre. ich traf mit dem cubanischen basisleiter und wir wechselten ein paar worte, tips konnte ich von ihm keine erwarten und neuigkeiten ebenso wenig. dafür habe ich regelmäßigen kontakt zur spanisch-deutschen firma über ihr berliner büro.http://www.bluesail-caribe.com

in cienfuegos könnte ich wirklich leben wenn ich dort ein einkommen hätte. die stadt hat einen langen von nord nach süd verlaufenden prado, eine breite straße mit mittelstreifen der zum flanieren oder verweilen unter bäumen einlädt und der dann in den malecon übergeht. die angrenzenden gebäude bis hin zum vor einigen jahren rekonstruierten club nautico versprühren etwas magisches, ein ort zum träumen, zum wohlfühlen … wenn man das nötige taschengeld bei sich trägt. aber die zeit scheint noch nicht reif für mein engagement in cuba …

am nächsten tag fahren wir mit der fähre über die bucht von cienfuegos und sehen mitten herrlicher landschaften das zementwerk und die neue erdölraffinerie die mit hilfe venezuelas erbaut wurde und strategisch gut gelegen ist; zwischen baumwipfeln ist die ruine eines ehemals geplanten russischen atommeilers zu erkennen der aber nie in betrieb ging und bald schon erreichen wir den anleger am castillo de jagua, unser heutiges ausflugsziel … lohnenswert war die reise dorthin nicht aber dennoch ein erlebnis und während hagen noch ein wenig herum spazierte machte ich es mir auf der terasse des kleinen hotels neben dem fähranleger gemütlich, trank ein bier und blickte auf die enge ausfahrt aus der bucht hin zum karibischen meer …

ein café und ein stück kuchen am nachmittag, das ist für hagen wie für mich eine kühle flasche bucanero und ein nettes plätzchen. in meinem falle fügt es sich immer, anders bei hagen …

wie schon oft sieht er ein verlockendes stück süßes und begehrt es, dann stellt sich die frage nach dem café. wir entdecken an einer strassenecke eine moderne konditorei mit einer unglaublichen auswahl an bunt dekorierten törtchen, eckchen und schnittchen. auch eine espressomaschine steht bereit … hagen kauft wie immer zuerst das süße und geht durch die glastür in die andere hälfte des geschäftes wo sich die maschine befindet, bestellt einen espresso und dann folgt prompt die für cuba typische antwort vom presonal, no hay café … trösten konnte ihn in diesem schweren moment auch mein ratschlag nicht mehr ... „ besorge dir doch zuerst den café und kaufe dann erst dein törtchen !“

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157630044891488

16.02. santa clara im herzen von cuba

von cienfuegos geht es heute 65 km in richtung nordost, also entgegengesetzt dem eigentlichen ziel, la havana. und einzigster grund für unsere stipvisite in santa clara ist ein geplantes treffen mit dem dort lebenden deutschen namens mike. hagen verbrachte auf seiner fahrt nach santiago dort schon einige tage und ich hatte santa clara, den historischen ort mit dem ché mausoleum vor jahren ebenfalls besucht.

die ersten 50 km zwischen cienfuegos und der autobahn sind kein radlereldorado, schwere zement- und tanklaster bringen über eine schmale landstrasse ihre fracht in die anderen provinzen, das wirbelt viel staub auf und den sicherheitsabstand zu radfahrern halten die truckfahrer auch nicht ein, erstmals hatten wir ein unwohles gefühl beim fahren auf zwei rädern. als wir die autobahn erreichen haben wir platz, drei fahrspuren, eine standspur und das in beide richtungen, das ganze mutet an wie eine endlose flugzeuglandebahn …

“km 259“ nennt sich die autobahnraststätte kurz vor santa clara. dort machen wir eine pause und bestellen orangensaft aus dem dispenser, ein gerät was den saft umrührt und kühlt. wie der zufall will entdecke ich am dispenser einen aufkleber mit dem preis von 0,50 cuc und als wir um die rechnung bitten … wieder eine überraschung cubanischer art, verlangt der kellner das doppelte von uns. ich wollte es nicht glauben aber jetzt stand auf dem frisch darüber geklebten aufkleber tatsächlich 1 cuc … 100 % inflation innerhalb sekunden. der laden war leer, sie hatten zwei erschöpfte gringos vor sich und nutzten die gunst des moments ...

in santa clara am busbahnhof umringen uns wie fast immer und überall die schlepper … quartiere, taxis usw. werden und lästig aufgedrängelt und jeder versichert, sein angebot sei besser, das beste … wir halten uns an eine ältere frau die uns seriös erscheint und versichert das wir in ihrem eigenen haus unterkommen und das ohne schlepperprämie, die i.d.r. 5 cuc beträgt. so ist es dann auch, wenn schon nicht das perfekte quartier aber wenigstens sauber und ordentlich und wir sind selbst schon so cubanisch diszipliniert das wir nach dem beziehen des quartiers von selbst unsere pässe zücken und der wirtin in die hand drücken …

tausend-und-eine multa in cuba

alle vermieter in cuba müssen eine lizenz zum vermieten haben, dazu gehört auch ein vom staat vorgeschriebenes buch in das jeder gast bei anreise eingetragen werden muß. er muß auch in dem buch unterschreiben, mit demselben stift … sonst gibt es eine strafe (multa) ! während der devisenvermieter eine belegung hat darf er das haus nicht verlassen … sonst multa ! wenn man als gast eine andere cubanische person mitbringt, muß diese ebenfalls registstriert werden … wenn nicht, dann multa ! und wenn der vermieter seine 290 cuc an pauschalen steuern nicht pünktlich vorab bezahlt … multa !

der sohn der vermieterin erzählt uns das diese multas zwischen 200 und 2000 cuc liegen, je nach schwere des “verbrechens“, in ganz besonders schweren- oder in wiederholungsfällen kann das gesamte anwesen vom staat beschlagnahmt werden und die letzte und härteste aller multas ist die gefängnisstrafe. sohn und mutter haben in das gästezimmer 2000 cuc investiert, fliesen, sanitärkeramik, klimanlage … und müssen nun lange jahre dafür hart arbeiten. der junior hat zwar einen studienabschluß, hat seine ingenieur laufbahn aber zugunsten des taxi fahrens beendet. als chemieingenieur hatte er gerade einmal 300 peso cubano, jetzt mit dem taxi ein mehrfaches …

vertrauen ist gut, kontrolle ist besser“ ché

… konnte ich auf einem plakat lesen. ob diese lebensweisheit nun von ihm stammt oder von ihm nur rezitiert wurde, wer weiß ? aber eines erscheint mir logisch am kubanischen system… mehr freiheiten für das volk erfordern auch mehr staatliche kontrolle. und mit der verabschiedung neuer leitlinien der partei im letzten jahr hat sich wohl auch die kontrolle verstärkt. über die kleinen zugestandenen freiheiten an das volk um z.bsp. ein eigenes geschäft zu eröffnen und sich daran zu bereichern wacht die kommunistische partei umsomehr … die angst vor staatlichen kontrolleuren und verordneten multas ist omnipräsent in cuba.


http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157630060833391

 aus sympathie für ché dieser link: http://www.kampflieder.de/oktoberklub-lied.php?id=383


Wir lernten dich zu lieben
Von der historischen Höhe
Wo die sonne deiner Tapferkeit
Dem Tod keine Chance gab
refrain :
Hier bleibt
Die innige Transparenz
Deiner geliebten Gegenwart
Commandante Che Guevara

Deine ruhmreiche und starke Hand
Feuert auf die Geschichte
Wenn ganz Santa Clara
Aufwacht, um dich zu sehen
refrain ...

Du kommst und verbrennst die Brise
Mit Sonnen des Frühligs,
Um die Fahne aufzustellen
Mit dem licht deines Lächelns
refrain ...

Dein revolutionäres Lieben
Führt dich zu einem neuen Unternehmen
Wo sie die Festigkeit
Deines freiheits strebens erwarten
refrain ...

Wir werden weiter vorwärts gehen
Wie wir zusammen mit dir gegangen sind
Und mit Fidel sagen wir dir
"Bis in die Ewigkeit Commandante!"

… zum geplanten treffen mit mike kam es in santa clara nicht, obwohl wir mehrmals telefoniert hatten und verabredet waren. nur wer das cubanische telekommunikationssystem ausgiebig studiert hat kann nachvollziehen warum eine kontrarevolution in cuba keine chance hat. öffentliche telefone sind rar und immer von gruppen wartender kontrolliert, private telefone sind noch seltener und wenn jemand, besonders in ländlichen gegenden, über sein eigenes verfügt dann kommt das halbe dorf zu ihm um gespräche zu führen und immer hören viele ohren mit … handys sind so teuer und daher nur für geschäftsleute die alternative. die anschaffung ist groß und wenn man dann eines besitzt muß man ja auch ein saldo haben, und das fängt mit der karte für 6 cuc an die schnell verbraucht ist. noch eine besonderheit bei der einzigen und staatlichen telefongesellschaft; nicht nur der anrufer zahlt, der angerufene ebenfalls, fifty-fifty sozusagen, fazit: überlege dir genau wem du deine nummer anvertraust ... http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/7397944004/in/set-72157630060833391

ausklang einer radreise

am 17.2. erreichen wir nach 3 stunden fahrt im viazulbus varadero, die luxusbadewanne cubas. 11 cuc pro person und 3 cuc fürs rad kosten uns die knappen 230 km. hagen kannte sich bestens in varadero aus, er war bereits seit dem silvesterabend in cuba und hatte die ersten zwei januarwochen dort verbracht. sein hotel war nicht von der hand zu weisen, bloß für mein restliches budget unerschwinglich … . am busbahnhof unterboten sich die gutmenschen mit ihren angeboten uns mit ihren 50-er jahre amischlitten nach havana zu fahren, 60, 50, 40 cuc aber wir kamen ja gerade an und das war doch für jedermann ersichtlich, oder ? auch die privatquartierschlepper waren wieder auf der lauer ...

auf rädern ging es nun wie gewohnt auf zimmersuche, nicht weit vom busbahnhof entfernt fragten wir jemanden und wurden von ihm dann vorgeführt, leider war ein anderer tourist schneller und das zimmer schon belegt und wie immer vermittelte man uns hilfsbereit und uneigennützig an einen guten bekannten weiter … nach nur 5 minuten kam auf wackeligen füßen ein schätzungsweise 85 jahre alter revolutionsveteran der uns versicherte uns zu “seinem“ haus zu bringen. auf dem weg dorthin fiel ihm aber dann ein, das sein haus ebenfalls belegt sei, er aber jemanden kenne der platz hätte, gleich hier um die ecke; litt er vielleicht an altzheimer ?

wir sollten wieder einmal opfer werden, blieben diesmal aber unbeschadetet. von tür zu tor folgten wir dem alten, alle quartiere waren besetzt aber er wollte nicht aufgeben. sich durch uns ein paar schnelle dollar zu verdienen, war eigentlich die motivation seiner mühe. mir reichte es langsam dem alten von haus zu haus hinterherzutrotten, ich machte mich auf meine eigene suche, währenddessen hagen wohl aus mitleid immernoch dem greis folgte, wurde ich gleich in der nähe fündig, befand das quartier als ideal für ein paar tage und sagte der vermieterin zu.

plötzlich bogen die zwei suchenden um die ecke und als der alte mich erblickte steuerte er geradewegs auf mich zu und legte dabei sogar noch einen schritt zu … er sah sich auf der zielgeraden, ließ mich links liegen und steuerte direkt auf die vermieterin zu und erklärte ihr, er bringe ihr zwei gäste … mehr bedarf es nicht zu erzählen. ich hatte den preis bereits mit ihr ausgehandelt und der alte bekam noch ein glas wasser von ihr, ging aber was die dollar betraf an diesem tage leer aus.

was ist nur schiefgelaufen mit fidel´s glorreicher sozialistischer revolution das urgroßväter und veteranen der revolution solchen geschäften nachgehen müssen …

cubas all inclusive ferienparadies beginnt direkt hinter einer klappbrücke welche die provinz matanzas über eine autobahn mit der eigentlichen halbinsel varadero verbindet die 20 km traumstrand und mehrere dutzend hotels zu bieten hat …

eigentlich wollte ich niemals nach varadero, mit meinen über zehnjährigen cubaerfahrungen zählte für mich dieser ort nie zum authentischen cuba. aber nun war ich dort und konnte selbst miterleben wie den touristen dort etwas vom typischen flair cubas vorgegaukelt wird …

auf diesem fleckchen cubanischer erde gibt es kaum noch ein geschäft in welchem man in landeswährung, dem peso cubano (cup) bezahlen kann. willkommen im dollar paradies, der währung des klassenfeindes ! aber mit etwas geduld und entdeckergeist fand ich auch hier wieder gastronomische einrichtungen der cubanischen grundversorgung für einheimische und ausländische exoten, eine flasche bier für 10 und eine warme mahlzeit für 20 cup …

der betrug scheint hier besonders ausgeprägt, ein kellner in varadero kommt locker auf seine 250-300 cuc im monat, durch trinkgelder und betrug … erinnern wir uns, der durchschnittliche monatslohn der mehrheit der cubaner beträgt weniger als 20 cuc ! und der betrug an ausländern ist offenbar zum volkssport erwachsen, in der marina chaplin bestellen wir zwei espresso, laut preisliste für 0,35 cuc … x 2 macht 0,70 cuc. als ich dem kellner 1 cuc aufs tablett lege schaute er mir nicht einmal in die augen, macht 2 cuc ist seine antwort ! ich reklamiere und versuche diese rechnung zu hinterfragen. er wirft mir den cuc zurück auf den tresen und fordert mich unflätig auf zu verschwinden …

am abend eine ähnliche situation, das bucanero kostet an kiosken gewöhnlich 1 cuc, in restaurants mit ambiente und bedienung etwas mehr. ich kaufe an einem ausser-haus-verkauf eine flasche des süffigen bieres … und prompt kommt die rechnung, 1,50 cuc ! und wieder mache ich mich unbeliebt, ich fordere den kassenbon und denke mir so den verkäufer zur verlegenheit zu bringen … er zeigt mir eine zerknitterte alte kassenrolle und erklärt mir das die kasse defekt sei und keine bon´s ausdrucke … wie schlau denke ich und gebe ihm einen cuc, nicht mehr …

samstag 18. februar ( tagesetappe 50km)

zum radeln ist varadero bestens geeignet, von der klappbrücke bis zum östlichsten zipfel sind alle strassen in bester asphaltqualität. nach dem morgendlichen warm-up im atlantik geht es dann mit dem rad auf tour. besonders interssant für mich ist die noch im bau befindliche und zukünftig größte marina cubas, namens “marina plata“ am ende varaderos. mit 2500 liegeplätzen für kleine, mittlere, große und megayachten ist dies ein projekt der superlative … wir dürfen einen rundgang machen, aber nicht zu weit ...wir stehen unter ständiger beobachtung und werden schnell zurückgepfiffen als wir uns einer imaginären linie nähern. meine letzte frage an den offiziellen, für wen denn diese riesige marina einmal sein soll ? für ausländer selbstverständlich … ausländer mit plata (geld), wie wahr der name !

hinter der marina und am wirklich allerletzten ende varadero´s sehen wir zwei fahnen wehen, die landesflagge und die venezuelas … völkerfreundschaft oder ort für privilegierte funktionäre ? beim näheren hinsehen bemerken wir das es sich nicht um ein 4 oder 5 sterne ressourt handelt, die einfahrt ist von bewaffneten wachmännern besetzt, nur ein schmiedeisener zaun ohne stacheldraht gibt hier die demarkationslinie an. cameras sind sichtbar an jedem lichtmast angebracht ...

man erzählt uns das in diesem hotel niemand mit dem bus ankommt, nur limousinen mit getönten scheiben bringen ihre gäste vom flughafen direkt dorthin … ob chávez vielleicht dort seine krebserkrankung kuriert hat ?

sonntag 19. februar

hagen spendiert noch ein luxuriöses abschiedsfrühstück in unserer gemeinsamen unterkunft, am nachmittag trennen sich unsere wege, ich ziehe weiter und hagen bleibt die letzten tage seines 2 monatigen cuba trip´s hier um sich von den strapazen der reise und von mir zu erholen :-)

wir schwingen uns noch ein letztes mal gemeinsam auf unsere sättel und besuchen al capone´s kneipe direkt am strand, staunen über die vielen fotos der mafiaikonen welche in den 20er jahren dort ihre geschäfte mit der prohibiton machten und von cuba aus alkohol nach den usa schmuggelten …

auch die marina darsena stand abschließend noch auf meinem plan; wieder dürfen wir nach einigem verhandeln das objekt betreten, werden aber von einem offiziellen nach rücksprache mit seinem vorgestzten wie durch einen hochsicherheitstrakt geführt. fast ausnahmslos begegnen wir canadian, vorwiegend älteren pärchen, die hier dauerhaft auf ihren booten leben und dem cubanischen staat die marina finanzieren … sogar einen yachtausrüster hat die marina zu bieten, hier “super ferreteria nautica“ genannt … jegliche kommentare sind ersparenswert, siehe foto !

http://www.flickr.com/photos/71293107@N05/sets/72157631808222509

4.6.12 21:15
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hagen (11.6.12 16:57)
da muß ich doch herzhaft lachen,ich hatte keine Rache geplant, es hat sich einfach so ergeben, getreu dem Spruch des zweimal treffens im Leben, ich denke voller Lust, Freude und Sehnsucht an dieses Ereignis und viele andere in Fidel´s Enklave und denke, aller guten Dinge sind drei, also los in die Planung....und die Karibik sieht mich bald wieder


Hagen (2.1.13 01:36)
und da bin ich wieder, wenn auch etwas vom Kurs abgekommen, aber diesmal hilft mir (hoffentlich)das Fahrrad meines Gastgebers, die Insel Tobago zu erkunden, nur muß ich noch überlegen wie ich meinen Radlerfreund René hierherlocke,ich finde seinen blog einfach interessant und klasse, keiner kann es besser, jedenfalls ich nicht....und überhaupt, ich mußte mich nicht von dir erholen du alter....

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